Wiener Polizistin hetzt Hund auf türkischen Journalisten

Ergün Sert Herausgeber von Yeni Nesil hier bei der Medien.Messe.Migraion 2010 - ©Claudia Henzler

30.03.2011 | 15:48 | Clara Akinyosoye

Ergün Sert, Herausgeber der türkischen Monatszeitung Yeni Nesil, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Wiener Polizei. Sie sollen ihn mit Hunden gehetzt und verspottet haben. Seine Anschuldigungen untermauert er mit Videomitschnitten.

Wien. Die Videomittschnitte, die der Journalist Ergün Sert auf Facebook gestellt hat und die sich jetzt wie ein Lauffeuer verbreiten, werfen kein gutes Licht auf die Wiener Polizei.  Eine Polizistin hetzt einen Hund auf einen Journalisten, der eine laufende Amtshandlung filmen möchte. Auf die Aussage, dass sowohl die Amtshandlung, als auch das Verhalten der Polizistin „unmenschlich“ seien und er die „Marke“ der Polizistin sehen will, erwidert die Polizistin immer nur: „Was ist unmenschlich?“, während der bellenden Hund auf den Journalisten zustürmen will. Im Hintergrund hört man Lachen. All das und mehr hat sich gestern Abend im 10. Bezirk abgespielt.

Ergün Sert, Herausgeber der türkischen Monatszeitung, Yeni Nesil ist gerade beim Eissalon Tichi, als er „Krach“ hört. Als er merkt dass dieser Krach von einer Polizeiamtshandlung mit türkischen Jugendlichen herrührt, nähert sich der Journalist dem Geschehen. Er entschließt sich die Amtshandlung zu filmen. Eigentlich, so Sert, wollte er darüber berichten, dass sich türkische Jugendliche anständig benehmen sollen – auch wenn es etwas zu feiern gibt.  Jetzt berichtet er über Anderes.

„Die Polizisten sind auf mich losgegangen. Sie waren aggressiv.“ Sert erzählt, wie eine Polizistin ihn mit dem Hund gejagt habe – „etwa 15 Meter weit“.

Aufmerksam wurden die Polizisten auf den Journalistin überhaupt erst, weil er filmte, wie mehrere Polizisten einen jungen Türken festhielten und auf den Boden drückten. Als sie Sert vom Filmen abhalten wollen, weigert er sich die Aufnahme zu beenden und gibt den Polizisten zu verstehen, dass er von der Presse ist. „Österreichische Presse?“, fragt die Polizistin ihn daraufhin. Die Polizisten nehmen Sert nicht ernst, machen sich über ihn lustig. „Presse von oben. Ja,ja, sie sind Presssprecher“, sagt ein anderer Polizist. All das ist auf dem Video zu sehen.

„Ich konnte den Abend wegen diesem Terror nicht einschlafen“, sagt Sert. Gerade ihn trifft das Verhalten der Polizisten schwer, erzählt er. Schließlich betone er in seiner Arbeit als Journalist immer wie positiv das Leben in Österreich sei.  Sert ist hier geboren und aufgewachsen. Dass die Polizisten ihn so behandelt haben, weil er türkischer Abstammung und kein „Vollblut-Österreicher“ ist, ist für Sert eine klare Tatsache. Den Glauben an die Polizei hat er nicht verloren, doch er verlangt, dass rassistische Polizisten aussortiert werden.

„Verpiss dich“

Die Polizeisprecherin, Iris Seper kündigt jedenfalls Untersuchungen an. „Wir haben das Material gesichtet.“ Doch da auf den Videos nicht das ganze Geschehen aufgezeichnet ist und „man nur Teile sieht“ gehe es darum, ” jetzt mal zu schauen, wie ernst man diese Vorwürfe nehmen kann.“

Auch den Vorwurf, dass die Polizistin Sert verweigert hat ihre Dienstnummer zu erfahren, müsse man sich nun objektiv anschauen. Konform wäre ein solches Verhalten nicht, denn „man hat ein Recht darauf“, so Seper.

Die Polizeimarke, die Ergün Sert von der Polizistin verlangt hat, habe er niemals zu Gesicht bekommen, so der Journalist. Stattdessen habe sie ihm die unhöflichen Worte: „Verpiss dich“ an den Kopf geworfen.

(CLARA AKINYOSOYE)


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