Die wunderbare Welt eines H.C.Strache

H.C. Strache © Dieter Zirnig/http://www.flickr.com/photos/sugarmeloncom/

30.01.2012 | 21:01 | Susanne Scholl

GASTKOMMENTAR. Solange wir nicht mit den Geschichtslügen aufräumen, so lange wird Österreich sich immer weiter im Kreis solcher drehen, die meinen, sie könnten sich über Millionen von Ermordeten lustig machen.

In Wirklichkeit hat er ja in trautem Kreis mit seinen Recken nur eine flapsige Bemerkung gemacht, die leider jemand gehört hat. Und die ganze Aufregung ist doch lächerlich, zumal wir doch ganz andere Sorgen haben, als einen, der halt ein bisserl übers Ziel hinaus schießt und die Kritik am Ball der rechtsradikalen Burschenschafter – ausgerechnet in der Hofburg, ausgerechnet am internationalen Holocaust-Gedenktag – mit der mörderischen Verfolgung der Juden durch die Nazis gleichsetzt. Könnte man sagen. Sagen manche, gar nicht so wenige.

Kann man aber eben doch nicht sagen. Denn. Dieser Mann ist für ein Drittel der Österreicher nicht nur wählbar sondern als Regierungschef vorstellbar. Dieser Mann sitzt im Parlament und entscheidet mit über Gesetze, also darüber, wie dieser Staat künftig aussehen soll. Dieser Mann beweist uns Tag für Tag, was alles falsch läuft in der österreichischen Politik, weil er sagen kann, was er will und niemand ihm Paroli bietet. Dieser Mann zeigt schließlich, wie sehr das politische Österreich in den vergangenen Jahren versagt hat und heute mehr denn je versagt. Jenes politische Österreich, das die Demokratie schützen sollte – und das bedeutet auch und vor allem und in erster Linie die Menschenrechte und den Respekt vor jedem zu schützen. In Deutschland hätte ein Politiker, der solches von sich gibt, jede politische Aktivität aufgeben müssen. Nicht in Österreich.

Dass die rechten Recken ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag – an jenem Tag, als das KZ Auschwitz befreit wurde und das ganze Ausmaß der Nazi-Verbrechen klar wurde – in der Hofburg tanzen konnten, dass ein Parteichef und Parlamentarier an eben diesem Tag meinte, die Kritik an dieser Veranstaltung mit dem Holocaust gleichsetzen zu können, zeigt, wie sehr diese österreichische Politik versagt.

Solange wir nicht mit den Geschichtslügen aufräumen, mit denen Österreich seit 1945 lebt, solange wir nicht beginnen, Österreichs Mitverantwortung für die Nazi-Verbrechen klar auszusprechen und uns davon zu distanzieren, solange wir den 27. Jänner ebenso weiträumig ignorieren wie den 8. Mai, an dem wir zulassen, dass rechts-rechte Recken eine Art Trauerkundgebung veranstalten, statt zu feiern, weil das der Tag ist, an dem der Nazi-Alptraum besiegt war, so lange wird Österreich sich immer weiter im Kreis solcher drehen, die meinen, sie könnten sich über Millionen von Ermordeten lustig machen und die Erinnerung an jene für ihre niederträchtigen politischen Spielchen benutzen.
Die Verantwortung dafür, dass sich daran etwas ändert liegt aber bei der österreichischen Regierung, bei den Parlamentsparteien, bei all jenen, die behaupten, der Demokratie verpflichtet zu sein und kaum etwas für die Erhaltung dieser Demokratie tun.

ZUR PERSON: 

Dr. Susanne Scholl, 1949 in Wien geboren – in einer jüdischen Familie. Studium der Slawistik in Rom und Leningrad. Langjährige ORF-Korrespondentin in Moskau. Mehrere Sachbücher, Romane und Lyrik-Bände. Seit 2009 freie Journalistin und Autorin in Wien.


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