Supermigranten hackeln gratis?

Staatssekretär Sebastian Kurz bei der Vorstellung der Initiative "Jetzt-Du"

13.06.2012 | 13:13 | Clara Akinyosoye

Das aktive Werben um ehrenamtliche Arbeiter mit Migrationshintergrund ist wichtig, aber man sollte Migranten nicht nur dort zur Tür hereinbitten, wo sie keine Bedrohung für die Mehrheitsgesellschaft darstellen.

Ich will wirklich kein Spielverderber sein. Sebastian Kurz und sein Team haben mit der neuen Zusammen Österreich Kampagne wirklich gute Arbeit geleistet. Sie haben recht damit, wenn sie sagen Österreichs Vereine sollen aufmachen und Migranten mitmachen. Es stimmt, Vereine sollten sich gegenüber Migranten tatsächlich öffnen und ihnen signalisieren, dass sie in ihrer Mitte willkommen sind und gleichbehandelt werden. Soweit sind wir – wie man so schön sagt –  d’accord.

Aber es darf nicht sein, dass der Apell nur hier ansetzt und wieder aufhört. Dass sich ehrenamtliche Vereine für Migranten öffnen ist wichtig. Aber es müssen sich auch die österreichischen Machtzentren, die Institutionen, Behörden, Medien, Interessensvertretungen, die politischen Parteien und Ministerien für Menschen mit Migrationshintergrund öffnen. Im Sinne eines Partizipationsgedankens sollte aktives Werben um Menschen mit Migrationshintergrund überall passieren. Auch dort, wo Entscheidungen für Österreich getroffen werden, wo Macht und Geld zuhause sind. Man sollte Migranten nicht nur dort zur Türe hereinbitten, wo sie keine Bedrohung für die Mehrheitsbevölkerung darstellen, wo sie den Kuchen zwar backen aber nicht, wo sie vom Kuchen mitnaschen können.

Bitte nicht falsch verstehen! Ehrenamtliches Engagement ist beispielhaft und unerlässlich. Extra-Fleiß ist extra-vorbildlich. Man sollte jedoch nicht den Fehler machen, den Migranten der arbeitet, sich in seiner Freizeit noch ehrenamtlich betätigt und perfekt Deutsch spricht, zum ultimativen topintegrierten Supermigranten hochzustilisieren. Die Migranten, die aus welchen Gründen auch immer, nach dem Motto: „Hackeln, wo’s auch was zu Holen gibt“ leben oder ihre Freizeit lieber mit Freunden, Familie, mit Faulenzen oder aber mit dem Schmieden von Plänen zum Reichwerden verbringen, die sind auch nicht schlechter als andere. Sie sind eben wie der Großteil der Österreicher ganz normale Menschen, die sich dafür nicht bejubeln lassen können, aber auch nicht schämen brauchen.


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