Positionspapier von M-MEDIA zur Integrationsstrategie
Diese Woche stellte Platter "seine" umstrittene Strategie zu Integration in Österreich vor. Das 34 Seiten starke Papier trägt den Titel Gemeinsam kommen wir zusammen. Die Integrationsstrategie für Österreich" - und wurde lediglich an ausgewählte Institutionen geschickt. Kaum wahrgenommen wurden Selbstorganisationen von Einwanderern in Österreich. Im Bereich Medien sind dennoch einige Formulierungen zu begrüßen. Die Rolle der ethnischen Medien bleibt aber unberücksichtigt. Unter dem Titel "Medien als Integrationspartner" beschäftigt sich der Punkt 14 mit einer der wichtigsten Säulen der Integration: der Rolle der Medien. Das Kapitel ist weniger als eine Seite lang. Im zweiten Absatz wird die Rolle der Medien deutlich erklärt: "Integration in den Medien verfolgt das Ziel, alle Menschen in Österreich anzusprechen. (...) Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird aufgerufen, den Dialog der Kulturen voranzutreiben und das friedliche Miteinander zu fördern". Hier einige Punkte, die von M-MEDIA vor drei Jahren in verschiedensten Artikeln formuliert wurden, die nun im Kapitel Medien zu finden sind.
Personalpolitik und Ausbildung
Eine der wichtigsten Punkte ist die Förderung ethnischer Vielfalt in den österreichischen Mainstream-Redaktionen. Sie kann nur auf der Ebene der Ausbildung und der Personalpolitik jedes Mediums stattfinden. Seit Jahren fördern M-MEDIA eine gezielte Rekrutierung und Ausbildung von JournalistInnen mit Migrationshintergrund, damit durch die sichtbaren Seiten der Medien auch die Gesellschaft widergespiegelt wird.
Finanzierung
Eine "Affirmative Action" im Bereich Medien ist notwendig. Seit Jahren betonen wir, dass die Integrationsbemühungen der Medien bei der Vergabe der Presseförderung auch als Kriterium gelten sollen. Einwanderer in Österreich zahlen auch regelmäßig Rundfunkgebühren. Der öffentlich-rechtliche ORF sowie die Wiener Zeitung - Zeitung der Republik Österreich - sollten in diesem Bereich eine führende Rolle einnehmen. Was bis heute nur im ORF mit der ghettoisierten Sendung Heimat-Fremde-Heimat geschieht.
JournalistInnen und deren Medien auszeichnen
Der letzte Punkt im Medienteil will "durch einen Österreichischen Medienpreis für Integration" herausragende journalistische Leistungen auf dem Gebiet der Integration auszeichnen. Für M-MEDIA ein wichtiges Signal. Es gibt im Medienbereich in Österreich mehrere Auszeichnungen - außer im Migrationsbereich. Im November diesen Jahres vergeben M-MEDIA und eine renommierte Institution für JournalistInnen einen Medienpreis, allerdings für JournalistInnen mit Migrationshintergrund, die in ihrer Muttersprache für in Österreich erscheinende Medien tätig sind. Weil wir der Meinung sind, dass die Sprache keine Grenze darstellen soll, wenn es sich um gute Medienbeiträge handelt.
Was uns in der Integrationstrategie jedoch fehlt, ist die Erwähnung der Muttersprache von Einwanderern. Die Wirtschaftskammer hat sich schon positioniert in dem sie auf die Wichtigkeit der Muttersprache aufmerksam macht.
Eine Integrationsstrategie ohne Berücksichtigung der Muttersprache wäre für M-MEDIA fehl am Platz. Für uns ist die Muttersprache eine Bereicherung für die neue Heimat und zählt auch als mitgebrachte Qualifikation. In Österreich gibt es eine sehr aktive und boomende ethnische Medienlandschaft, deren Beiträge in den eigenen Muttersprachen herausgegeben werden. Dass sie eine der wichtigsten Integrationsrollen spielen, bleibt unbestritten. Diese Medien sind Übersetzer der Kultur der neuen Heimat in ihre eigenen Communities in Österreich.
Keine "Road Show"
Dass sie nicht einmal berücksichtigt werden, zeigt ganz deutlich den "Top Down-Approach" der Integrationsstrategie Platters. Dieses Papier gilt für eine Selbstorganisation von MigrantInnen wie M-MEDIA nur als eine Diskussionsgrundlage. Denn beim Lesen hat man den Eindruck, dass das Papier schnell formuliert wurde, damit Platter sich von der politischen Bundesbühne verabschieden kann. Der Innenminister hat vergessen, dass es hier nicht um eine "Integrations-Road Show" geht...
Quelle: derStandard.at, 27.6.2008
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