35.Todestag: Steve Biko – Eine traurige Freiheit

Steve Biko Remembrance (c) elle indsay (flickr)

12.09.2012 | 1:56 | Hülya Tektas

Heute vor 35 Jahren starb der berühmte südafrikanische Bürgerrechtler Steve Biko in einem Gefängnis während eines Verhörs der Sicherheitspolizei an den Folgen von Folterungen. Erst 20 Jahre später haben sich fünf Weiße Sicherheitspolizisten zum Mord an ihm bekannt.

Geboren und aufgewachsen in Südafrika in der Ära der Apartheid interessierte sich Steve Biko sehr früh für die Politik. Schon als Schüler zeigte er sich als Gegner der Apartheitsgesetze wie etwa dem Verbot der Heirat zwischen Weißen und Menschen sogenannter anderer „Rassen“ oder der „rassenbegründeter“ Trennung von Türen und Toiletten. Im Alter von 20 Jahren nahm der Medizinstudent 1967 an einer Studentenkonferenz teil. Enttäuscht von der von angepassten und weißen Studenten dominierten Organisation gründete Biko 1968 die South African Students Organisation (SASO), um benachteiligten schwarzen Communities medizinische Hilfe zu beschaffen. Diese Vereinigung setzte sich gleichzeitig auch für die Stärkung des Schwarzen Bewusstseins ein.  So wurde Ende der 60er Jahre das Black Consciousness Movement ins Leben gerufen. Für die politische Lösung der Apartheidpolitik sahen Biko und seine Weggefährten Selbstvertrauen in die eigene Kultur und Selbstbewusstsein gegenüber der Weißen herrschenden Minderheit als wichtige Grundlage. So wollten sie die rassistischen Gesetze des Apartheitsregimes bekämpfen. 1972 gründeten Biko und seine Freunde die „Black People`s Convention“. Kurz darauf wurde Biko aufgrund seines politischen Engagements von der Medizinischen Universität verwiesen.

Tod im Gefängnis

Bikos politische Aktivitäten waren im damaligen Südafrika trotz aller Verhinderungen seitens der Regierung bahnbrechend. Die Black Consciousness Bewegung verbreitete sich und fand sehr schnell Sympathisanten, was ein dem Regime ein Dorn im Auge war. So legte die Regierung im Jahr 1973 einen Bann auf Steve Biko. Er durfte seine Heimatstadt nicht verlassen, musste sich jeden Tag bei der Polizei melden und durfte keine Sammelplätze besuchen. So wollte man seine politischen Aktivitäten verhindern. Als Steve Biko mehrmals gegen diese Regeln verstieß, wurde er am 18. August 1977 erneut festgenommen. Am 12. September 1977 erlag er seinen Verletzungen, die ihm durch Folter zugefügt worden waren. Sein Tod führte zu einer weltweiten Empörung.

Die Wahrheit

Erst im Zuge der 1996 errichteten Wahrheits- und Versöhnungskommission, dessen Vorsitzender Desmond Tutu war, wurde der Tod Bikos aufgeklärt. Die Arbeit der Wahrheitskommission dauerte bis 1998 und bestand darin, unabhängig von der Hautfarbe politisch motivierte Verbrechen der Apartheitsära aufzuklären, um somit zu einer Versöhnung beizutragen. So bekannten sich erst 20 Jahre später fünf Sicherheitsbeamte zum Mord an Biko.

Steve Biko wurde zu einer Symbolfigur des Widerstands gegen das Apartheitsregime und inspiriert bis heute weltweit viele Freiheitsbewegungen. Sein Drang nach Freiheit kostete ihn, wie auch viele andere aus der ganzen Welt, das Leben. Diesen Zustand beschreibt der berühmte türkische Dichter Nazim Hikmet in seinem 1951 geschriebenen Gedicht „Eine traurige Freiheit“ sehr treffend.

 

Nicht als Werkzeug, als Nummer, als Mittel,
Sondern als Mensch sollen wir leben, sagst du,
Mit deiner großen Freiheit legen sie dir Handschellen an,
Mit der Freiheit, festgenommen, eingesperrt, selbst gehängt zu werden,
Bist du frei!

Es gibt keinen Vorhang aus Eisen, Holz oder Tüll in deinem Leben,
Du brauchst die Freiheit nicht zu wählen,
Nun bist du frei.
Etwas Trauriges unter dem Sternenhimmel ist diese Freiheit.

Nazim Hikmet, 1951


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