„Integration fängt schon im Heimatland an“

Michael Spindelegger (c) Thuma_BMI

10.07.2013 | 9:46 | Sarah Farukuoye

Unter dem Schlagwort „Integration von Anfang an“ haben Vizekanzler Michael Spindelegger, Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz und der Österreichische Integrationsfonds den ersten Welcome-Desk im Wiener Integrationszentrum vorgestellt.

Wien. Die Integration oder Nicht-Integration der nach Österreich zugewanderten Menschen, wurde in der Vergangenheit, ebenso wie die Erteilung der Staatsbürgerschaft, dem bloßen Zufall überlassen, sagt Vizekanzler Michael Spindelegger. Das soll der am 8. Juli präsentierte Welcome-Desk im Wiener Integrationszentrum nun ändern. Im Rahmen einer Pressekonferenz stellten Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz, Vizekanzler Michael Spindelegger und Susanne Grasmüller vom Österreichischen Integrationfonds, das neue Konzept für die erfolgreiche Integration, zukünftiger ÖsterreicherInnen vor. ZuwanderInnen sollen ab jetzt „Von Anfang an“ in ihrem Integrationsprozess begleitet werden, sagt Kurz. An dem Konzept und den Umsetzungsschritten werde „seit zwei Jahren mit gewünschter Sachlichkeit und Konstruktivität umgegangen.“

Informationen von der Botschaft

Für Spindelegger beginnt der ideale Ablauf des Integrationsprozess bereits vor dem physischen Betreten Österreichs, also vor der tatsächlichen Migration. ZuwanderInnen sollen, von der österreichischen Botschaft in ihrem Heimatland aus, bereits über Werte, Recht, Sprachkurse und Ausbildungsmöglichkeiten informiert werden. Wichtige Grundsätze wie die Freiheit, das Prinzip der Demokratie, das Mitwirken in Vereinen und die österreichischen Gesellschaftsstrukturen sowie das Rechtssystem sollen vermittelt werden. So seien auch die Menschenwürde und besonders das Recht auf Gleichbehandlung, wichtige Punkte, die es zu erläutern gälte, sagt Spindelegger.

Zukünftige Pläne

Es sollen auch noch weitere Integrationszentren in Österreich errichtet werden. Zudem sollen das Integration-Online Portal, sowie Beratungsgespräche und die „Willkommen in Österreich-Box“, die auf den Menschen individuell abgestimmte Informationen enthält, einen guten Einstieg in die ersten Monate ermöglichen, sagt Susanne Grasmüller vom ÖIF. Die Staatsbürgerschaft sei dann das Resultat einer geglückten Integration. Wer die Staatsbürgerschaft erhalten will, muss neben den allgemeinen Vorrausetzungen, im Laufe der Jahre auch zwei Gespräche mit den Behörden führen,  gute Deutschkenntnisse haben und den Staatsbürgerschaftstest bestehen. Wer etwa eine ehrenamtliche Mitgliedschaft in ausgewählten Vereinen vorweisen kann, hat unter bestimmten Voraussetzungen nicht erst nach zehn, sondern nach 6 Jahren die Chance auf Einbürgerung. Auch an der Einbürgerungsfestlichkeit selbst soll gerüttelt werden: sie soll wie in den USA oder Kanada in einem besonders zeremoniellen Rahmen stattfinden.

Von den Obmännern vom Verein Wirtschaft für Integration Georg Kraft-Kinz und Ali Rahimi kommt  Lob für die Neuerungen. „Wir brauchen eine Willkommenskultur, einen offenen Umgang mit Zuwanderung, der es den Menschen, die nach Österreich kommen, ermöglicht, sich hier wohl zu fühlen und ihre Interessen und Fähigkeiten zum Wohle aller auszuschöpfen“, heißt es in einer Presseaussendung.

Beste Info macht nichts wett

Alexander Pollak , Sprecher von SOS Mitmensch sieht die Pressekonferenz in einem anderen Licht. „Gute, aufschlussreiche Integrationszentren sind begrüßenswert. Aber auch nicht das beste, informativste Informationszentrum Österreichs, macht wett, dass Österreich mit seiner Gesetzgebung, europaweit, hinten nachhinkt und eines der Schlusslichter bildet.“  Es gäbe bereits viele Vorschläge, wie es Menschen besser ermöglicht werde sich zu integrieren und wie man ihnen das Leben in Österreich erleichtern könne. Ein sehr wichtiger Punkt sei auch die Bewusstseinsförderung der ÖsterreicherInnen ohne Migrationshintergrund. So sollten sie etwa nachvollziehen können, was es heißt und wie es ist, als Arbeitsmigrant oder Flüchtling nach Österreich zu kommen. Auch für diese Art der Bildung solle die Politik Sorge tragen, sagt Pollak.

 


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