Interreligiöses Dialogzentrum in Wien: Auch Skepsis bei Muslimen

KAICIID-Eröffnung-Wien - ©Nermin Ismail

27.11.2012 | 20:15 | Clara Akinyosoye

In der muslimischen Community Österreichs herrscht über das von Saudiarabien finanzierte interreligiöse Zentrum nicht nur Begeisterung. Kritiker fürchten negative Auswirkungen auf die heimischen Muslime.

Wien. Das King-Abdullah-Zentrum für interreligiösen Dialog steht auch bei Muslimen in der Kritik. So werden mehrere Stimmen laut, die daran zweifeln, dass das von Saudiarabien finanzierte Zentrum, das am Montag feierlich eröffnet wurde, tatsächlich den interreligiösen Dialog fördern werde. Schließlich wird in Saudiarabien weder dieser noch die Einhaltung der Menschenrechte gelebt.

So sieht etwa Amer Albayati von der Initiative Liberaler Muslime (ILMÖ) in der Beteiligung der in Saudiarabien herrschenden Sekte der Wahhabiten eine Bedrohung für die Integration von Muslimen hierzulande. Der 70-Jährige spricht davon, dass Österreich einem „undemokratischen Regime“ und einer „wahhabitischen Ultrasekte“ die Möglichkeit einräume, kontraproduktiv auf Muslime einzuwirken. „Saudiarabien unterstützt seit Jahrzehnten fundamentalistische Organisationen in Österreich und Europa“, sagt Albayati. Für ihn sei klar, dass die Absichten hinter dem Zentrum die Beeinflussung von Muslimen sein soll. „Es wird kein ernsthafter Dialog stattfinden, sondern Heuchelei.“ Er könne daher nicht verstehen, warum Österreich und Spanien dieses Bündnis mit Saudiarabien zur Gründung des Zentrums eingegangen sind.

„Keine positiven Auswirkungen“

„Da sind wohl finanzielle Aspekte im Vordergrund“, vermutet Riza Sari, Sprecher der Islamisch-Alevitischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (Alevi). Alevi ist seit Ende 2010 eine staatlich eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft und somit neben der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich eine zweite religiöse Vertretung für Muslime. Von den geschätzten 60.000 Aleviten in Österreich sind mehr als 17.000 eingetragene Mitglieder der Islamisch-Alevitischen Glaubensgemeinschaft. Dem Zentrum steht man grundlegend skeptisch gegenüber: „Wir glauben nicht, dass das positive Auswirkungen auf Österreich haben wird“, sagt Sari.

Tatsache sei, dass Veränderungen und Dialog zuerst in den Ursprungsländern, nicht in Gastländern passieren müssten. Das Zentrum sei jedenfalls mit Vorsicht zu genießen. Daran, dass der Dialog Früchte tragen werde, glaubt man bei den Aleviten nicht. Im Gegenteil, man befürchte, dass sich die Diskussionen, die durch die Wahhabiten nach Österreich gebracht werden, negativ auf Muslime in Österreich auswirken könnten. Die Art und Weise, wie der Islam in Saudiarabien ausgelegt werde, sei mit Europa nicht zu verbinden. „Mein Herz tut weh, wenn ich sehe, dass man den Islam so auslebt“, sagt Sari.

„Langfristige Öffnung“

Doch es gibt auch Befürworter: So sieht etwa die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), die offizielle Vertretung der österreichischen Muslime, eine Chance, dass das Zentrum zu einer „langfristigen Öffnung Saudiarabiens“ beitragen werde. Man begrüße die „Eröffnung eines Zentrums in Wien, das sich dem Dialog der Religionen und Kulturen“ annehme, sagt Sprecher Zekirija Sejdini. „Da die Struktur des Zentrums auf drei gleichberechtigten Gründungsstaaten, nämlich Österreich, Saudiarabien und Spanien, sowie Vertretern von fünf Weltreligionen aufgebaut ist, gehen wir davon aus, dass hier transparente Entscheidungen getroffen werden sollen.“

„Eine gewisse Skepsis“ sei durchaus verständlich, aber jemanden aus dem Dialog grundlegend auszuschließen, sei kontraproduktiv und ermögliche erst recht keinen ehrlich gemeinten Dialog. Ähnlich sieht das Tarafa Baghajati, Obmann der Initiative muslimischer Österreicher. Man solle Dialogbemühungen nicht deshalb ablehnen, weil sie aus Saudiarabien kommen. Entscheidend sei, dass das Zentrum „unabhängig von jeglichen Einflüssen“ agiere und die Arbeit kompetent durchführe, sagt Baghajati. „Ob das der Fall ist, wird sich zeigen.“

„Kritische Haltung verständlich“

Wenn sich herausstellen würde, dass hier „etwas passiert, das dem Dialog nicht förderlich ist“, müsse man natürlich reagieren. Eine kritische Haltung sei verständlich, sie solle allerdings nicht dazu führen, dass man sich dem Dialog verweigere. Klar sei aber, dass der Dialog nicht nur auf das Zentrum selbst beschränkt werden dürfe: „Ich empfehle dem Zentrum, sich nicht nur auf pompöse Veranstaltungen und Glanzbroschüren zu beschränken“, sagt Baghajati, „sondern an die richtigen Experten, die seit Jahren an der Basis arbeiten, heranzutreten.“


ein Kommentar

  • Joseph

    "Abdullah Zentrum" wird abgelehnt, weil es Korruption und Heuchelei in der Welt zu fördern, anstatt den Dialog Geschrieben um 30. November 2012 um 02:40 Antworten

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