Gerhard Dörfler: „Wir Kärntner sind ein eigenartiges Völkchen“

Landeshauptmann Gerhard Dörfler - ©flickr.com/photos/sugarmeloncom/

31.08.2011 | 12:46 | Armand Feka

Der Kärtner Landeshauptmann im „Presse“-Gespräch. Gerhard Dörfler setzt bei Integration auf „eher unübliche Maßnahmen“.

Die Presse: Auf der FPK-Internetseite ist nicht sehr viel über Integrationspolitik zu finden. Welche Maßnahmen, die die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund fördert, setzt das Land Kärnten?

Gerhard Dörfler: Wir setzen auf mehreren Ebenen an und versuchen, mit eher unüblichen Maßnahmen Erfolge zu erzielen. Wir haben zum Beispiel ziemlich viele Zuwanderer aus der Türkei, bei denen die Mutter zu Hause bleibt und der Vater arbeiten geht. Das Kind geht in die Schule oder den Kindergarten und lernt die deutsche Sprache sehr gut. Die Mutter bleibt in ihrer Muttersprache aber oft isoliert, sprachlich, aber letztendlich auch in der Integration. Wir haben spezielle Sprachbetreuungsprojekte für Mütter, damit sie sich sprachlich entwickeln können. Das ist für mich ein Zugehen auf die Familien.

Auf politischer Ebene ist das Thema Integration negativ geprägt. Der Diskurs bleibt bei den Freiheitlichen meist bei „straffälligen Asylwerbern“ stecken. Was tun Sie in Kärnten, um das zu ändern?

Kärnten war immer ein guter Gastgeber, wir haben im Bereich der Nachbarschaftshilfe während der Jugoslawienkrise große Flüchtlingsströme aufgenommen und integriert. Über 7000 Menschen, die damals aus Bosnien Herzegowina geflüchtet sind, sind bereits österreichische Staatsbürger und in Kärnten perfekt in Gesellschaft und Arbeitsmarkt integriert. Es gab aber eine Zeit, in der wir Probleme hatten. Es ging um Flüchtlinge und Asylwerber aus Tschetschenien und Nigeria, die problematisch waren. Die Bevölkerung hatte damals den Anspruch an die Politik, dass man Maßnahmen ergreift, wenn es Auswüchse gibt. Das hat gewirkt, in Kärnten gab es in letzter Zeit keine Probleme, weil wir gesagt haben, wir greifen dort hart durch.

Wie sieht es mit der Koordination der Integrationsmaßnahmen aus, gibt es eigentlich ein eigenes Referat, das dafür zuständig ist?

Als Landeshauptmann bin ich für das Flüchtlingsreferat zuständig. Und ich schaue darauf, dass wir Integrationsmöglichkeiten schaffen. Einer meiner wichtigsten Mitarbeiter ist für Integrationsaufgaben zuständig. Wir wissen, dass wir eine Verantwortung haben und lagern das nicht auf NGOs aus. Wir machen das selbst, von Mensch zu Mensch. Ich kümmere mich persönlich um die Anliegen der Flüchtlinge und der eingebürgerten Zuwanderer.

Sie haben gesagt, Sie kümmern sich „persönlich“ um Integration. Wie sieht es zum Beispiel mit der Beschäftigung von Migranten auf den Ebenen der eigenen Verwaltung aus?

Bei der letzten Angelobung der neuen Polizisten war auch ein Jungpolizist aus Bosnien und Herzegowina mit dabei. Das ist für mich eine gute Form der Integration, in der Menschen aus Zuwandererfamilien in allen Bereichen des öffentlichen Lebens entsprechende Chancen haben. Das ist ein Vorbild für andere, damit sie sehen, Moment einmal, ich kann für Kärnten auch im Polizeidienst tätig sein.

Eine abschließende Frage: Wie gut fühlen Sie sich eigentlich als Kärntner in Österreich integriert?

Wir Kärntner sind ja ein eigenartiges Völkchen, das nach der Lösung der Ortstafelfrage so beliebt ist, wie es immer schon war. Dazwischen gab es eine Phase, in der man, ich will nicht sagen, schief angeschaut wurde, aber jetzt sind wir wieder akzeptiert und geliebt in Österreich (lacht).

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 31.08.2011)


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