Offener Brief an Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz

Sebastian Kurz beim JVP Bundestag 2009 - ©flickr.com/jvp

20.04.2011 | 18:05 | simon INOU und Clara Akinyosoye

Sehr geehrter Herr Integrationsstaatssekretär

M-MEDIA gratuliert Ihnen zu Ihrer Nominierung zum Integrationsstaatsekretär. Die Errichtung eines eigenen Sekretariats für Integrationsangelegenheiten ist seit 2002 eine Forderung der NGO’s. Dass nun endlich ein solches eingerichtet wird ist erfreulich, wenngleich ein solches Sekretariat im Innenministerium gänzlich fehl am Platz ist. Denn Integration wird schon viel zu lange unter dem Sicherheitsaspekt thematisiert und somit werden Unsicherheitsgefühle geschürt.

Der designierte ÖVP Chef Michael Spindelegger hat betont, dass er nicht zuletzt aufgrund Ihrer Jugend an Ihre Qualifikation für diesen wichtigen Posten, glaubt. Sie sind jung und ihre Bestellung zum Integrationsstaatssekretär hat somit Signalwirkung für die junge Bevölkerung Österreichs. Es bleibt zu hoffen, dass Sie in Ihrer neuen Position auch für die Belange der österreichischen Bevölkerung mit Migrationshintergrund ein offenes Ohr haben und diese Menschen vertreten werden. Aufgrund ihrer Jugend und der Komplexität des Integrationsthemas sind Sie bereits mit heftiger Kritik bedacht worden. Da Sie zwar politisch, jedoch im Bereich Integration noch keine maßgebliche Erfahrung gesammelt haben, sind jene kritischen Stimmen durchaus nachvollziehbar. Wir behalten uns aber vor, sie nicht aufgrund Ihres jungen Alters zu verurteilen, sondern Sie anhand Ihrer Arbeit zu beurteilen. Wir werden Ihre Arbeit beobachten, begleiten, nicht mit Kritik und nicht mit Lob sparen.

Integrationsangelegenheiten von den Krallen der Kriminalisierung und Stigmatisierung von Migranten befreien

Von Ihnen, als neuen Integrationsstaatssekretär erwarten wir, dass sie dazu beitragen, dass Integration in Zukunft als eine Querschnittsmaterie gesehen und behandelt wird. Dass sie mit Experten in Dialog treten, die selbst Betroffene ersten Grades, nämlich Menschen mit Migrationshintergrund sind. Bilden Sie ein Netzwerk aus Menschen, die aus überparteilichen Institutionen und NGO’s kommen und sich tagtäglich mit Migration und Integration auseinandersetzen. Profitieren Sie von der Expertise von Migrantenorganisationen, sprechen sie mit ihnen über Probleme, Herausforderungen und Chancen. Verfolgen Sie klare Ziele, die sie in Zusammenarbeit mit den Betroffenen verwirklichen können. Sie haben die Möglichkeit Integrationsangelegenheiten von den Krallen der Kriminalisierung und Stigmatisierung von Migranten zu befreien.

Herr Staatssekretär, Integrationsdebatten sind nur halb geführt, wenn Rassismus nicht thematisiert wird. Also hoffen wir, dass Sie sich in diesem Sinne auch verstärkt für die Bekämpfung von Rassismus einsetzen werden und nicht nur an Pflichten, sondern auch an die Rechte von Migranten erinnern.

M-MEDIA ist eine Selbstorganisation von MigrantInnen. Wir setzen uns für die Förderung von Migranten im Medienbereich und für die bewusste und langfristige Verbesserung der Berichterstattung über Migranten ein.

Auch wir stehen für einen ehrlichen und kritischen Dialog gerne zur Verfügung.

simon INOU und Clara Akinyosoye (M-MEDIA)

 

 


ein Kommentar

  • Mag. Saschka ZHURKOV

    Sehr geehrter Herr UNOU, lieber Simon, ich bitte um Ihre Zustimmung den Offener Brief an Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz in der Zeitung Vienna dnes zu veröffentlichen. Mit freundlichen Grüßen: Saschka ZHURKOV Geschrieben um 14. Juli 2013 um 12:49 Antworten

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