Schwarze Kandidaten: “Herausforderung für Österreicher”

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23.09.2009 | 13:55 | Ania Haar

Bei den Wahlen in Oberösterreich treten zwei schwarze Kandidaten an. Wie reagieren Bürger auf eine schwarze Kandidatin? „Eigentlich sehr positiv“, meint Neopolitikerin Marie-Edwige Hartig.

Marie-Edwige Hartig ist voll des Lobes über ihre Partei. „Die Grünen reden nicht nur über die Integration, sie leben es vor“, sagt die 28-Jährige, die auf dem vierten Listenplatz bei der Linzer Gemeinderatswahl an diesem Sonntag kandidiert. Die aus Kamerun stammende Österreicherin hat schon immer „ein grünes Herz gehabt“, wie sie sagt.

Ihr Entschluss, politisch aktiv zu werden, kam nach der Nationalratswahl im vergangenen Jahr. „Wenn ein Drittel der Österreicher rechts wählen, habe ich schon Bedenken.“ Was die Psychologiestudentin Hartig besonders stört: „Hetzparolen gegen Migranten.“ Beim Thema Integration gebe es „viele Herausforderungen, keine Frage“. Aber, so Hartig: „Man kann Probleme auch anders meistern.“ Wie? Nachbarschaftskonflikte über Lärm, sagt Hartig, könnten oft geschlichtet werden. Die Studentin ist jedenfalls sicher, dass „Integration vor Ort passiert, auf der kommunalen Ebene“.

Zu tun gibt es für die Neopolitikerin eine ganze Menge: angefangen von Integrationsprojekten in verschiedenen Linzer Stadtteilen, kostenlosen Sprachkursen und der Verbesserung des Zusammenlebens zwischen Einheimischen und Zugewanderten.

Wie reagieren Bürger auf eine schwarze Kandidatin? „Eigentlich sehr positiv“, meint sie. „Das Manko ist aber, dass sich manche in meiner Gegenwart nicht zu sagen trauen, was sie wirklich denken.“ Dennoch ist Hartig sehr optimistisch. „Der Wille ist da“, sagt sie energisch.

Kandidat für den Landtag

Ikechukwu Okafor sieht das ähnlich. Der 42-jährige gebürtige Nigerianer – er ist ebenfalls für die Grünen bei den Wahlen als Landtagskandidat auf dem siebenten Platz gereiht – war anfangs etwas skeptisch. „Ich wusste nicht, ob die Österreicher dieser Herausforderung (eines schwarzen Kandidaten, Anm. d. Red.) gewachsen sind“, meint er. Nun bekomme er viele positive Rückmeldungen: „Endlich, ein schwarzer Mann in der Politik!“ Okafor, der als Sozialarbeiter tätig ist, sieht sich selbst als Vorbild für andere Migranten.

„Nicht nur Asylwerber und Dealer“

Der Vater dreier Kinder hat zwei große politische Ziele: Er möchte zum einen das Zusammenleben zwischen Migranten und Österreichern und zum anderen das öffentliche Bild von den Afrikanern verbessern. „Sie werden nur als Asylbewerber oder Drogendealer dargestellt. Oder als Leute, die sich nicht integrieren wollen“, kritisiert Okafor. „Ich will mit meiner Kandidatur ein Zeichen setzen, dass ich mich integriert habe. Für mich heißt Integration Mitgestaltung.“

(ANIA HAAR, “Die Presse”, Print-Ausgabe, 23.09.2009)


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