Stellungnahmen aus der österreichischen Politik zu Nelson Mandelas Wirken

Nelson Mandela
Alev Korun - ©Jürg ChristandlBeate Meinl-Reisinger, NEOSSandra FrauenbergerSebastian Kurz während des Interviews - ©Asma Aiad

10.12.2013 | 11:17 | Tamara Tanasijevic

Aus gegebenem Anlass baten wir Persönlichkeiten aus der österreichischen Politik um eine persönliche Stellungnahme zum Leben und Wirken von Nelson Mandela. Im Rahmen dieses Projekts wurden drei Fragen ausformuliert und Vertreter aller Parteien kontaktiert.

Die Fragen lauteten:
1. Kannten Sie Nelson Mandela?
2. Welche Inspiration stellte er für Sie dar?
3. Inwiefern setzen Sie diese Ideale im politischen Alltagsleben um?

  • Alev Korun, Nationalratsabgeordnete und Sprecherin für Menschenrechte, Migration und Integration, Die Grünen

“Wer kennt Nelson Mandela und seinen beharrlichen Kampf gegen Rassismus, Apartheid und Ungerechtigkeit nicht? Ich finde, wir sollten unseren Kindern in der Schule die Lebensgeschichte von Mandela und seinen MitstreiterInnen erzählen, um sie zu ermutigen, gegen Ungerechtigkeiten, Diskriminierung und Rassismus aufzustehen.

Er hat seine Vision für eine gerechtere Welt, in der Menschen gleich behandelt werden und gleiche Chancen haben, trotz ganz massiver Ungerechtigkeiten und Verbrechen nie aus den Augen verloren. Mandela hat trotz 27 Jahren Haft in den Gefängnissen des Apartheid-Regimes keinen Hass auf die Menschen entwickelt, die auf der Seite der Ungerechtigkeit gestanden sind, sondern hat konsequent an der Beseitigung des Unrechtsregimes gearbeitet. Sein Weitblick und seine Weisheit, dass Unterdrückung nicht Unterdrückung gebären sollte und dass man trotz widrigster Umstände nie aufhören darf, an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten, damit diese auch nachhaltig und für alle bindend ist, sind Auftrag für alle verantwortungsbewußten PolitikerInnen.

Ich versuche im Sinne des Gemeinsamen und großen Ganzen aufzuzeigen, wo die Probleme und Herausforderungen liegen, die wir als PolitikerInnen beauftragt sind, anzugehen. Es geht darum, die eigene Haltung und Vorschläge nachvollziehbar zu machen und dabei bei aller politischen Differenz den Respekt für den Anderen als Mensch nie zu verlieren. Und trotz manchmal widrigster Umstände nie vergessen, dass Veränderung möglich ist, denn wie Mandela sagte: “It always seems impossible until it’s done”.”

  • Sandra Frauenberger, Stadträtin für Integration, SPÖ

“Ich hatte leider nie die Gelegenheit Nelson Mandela persönlich kennenzulernen. Dennoch war Nelson Mandela für mich, wie für viele PolitikerInnen unserer Zeit, eine Inspiration für das Richtige einzutreten und unermüdlich für eine bessere Welt zu kämpfen. Während seines ganzen politischen Schaffens ist Nelson Mandela für eine gerechtere und solidarische Zukunft eingetreten – diese Vision muss weiterhin Ziel des politischen Handelns sein!”

  • Sebastian Kurz, Staatssekretär für Integration, ÖVP

“Nelson Mandela war eine der außergewöhnlichsten, imponierendsten politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.
Ich habe viel über ihn gelesen und gehört – persönlich treffen konnte ich ihn leider nicht.

Er stand für Aussöhnung, friedliches Zusammenleben sowie Toleranz und kämpfte dafür trotz Widerstand und schwierigen Zeiten.
Das ist beeindruckend und macht ihn zu einem großen Vorbild.

Bei einer so großen Persönlichkeit wie Nelson Mandela kann man nur versuchen, seine Ansätze und Überzeugungen auch nach Österreich zu transformieren. In meiner politischen Arbeit in Österreich versuche ich das, indem ich gemeinsam mit vielen anderen an einem friedlichen Zusammenleben in Österreich arbeite. Wir wollen, dass es nicht darum geht, welche Religion, Herkunft oder Hautfarbe jemand hat, sondern welche Bereitschaft jemand zeigt in der Gesellschaft etwas beizutragen. Ein Satz von Nelson Mandela, der mich besonders bewegt, zum Schluss: “Niemand wird damit geboren andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihrer Religion zu hassen. Menschen müssen erst lernen zu hassen, und wenn sie lernen können zu hassen, kann ihnen auch beigebracht werden zu lieben.“

  • Beate Meinl-Reisinger, Nationalratsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende von NEOS

“Ich hatte leider nie die Ehre, Nelson Mandela persönlich kennenzulernen. Dennoch habe ich ihn „erlebt“ – gerade auch bei einem Aufenthalt in Südafrika vor einigen Jahren. Er war allgegenwärtig…

Für Millionen Menschen auf der ganzen Welt steht der Name Nelson Mandela exemplarisch für Freiheit, Selbstbestimmung und ein Leben in Würde. Was ihn in meinen Augen zu einer menschlichen Ausnahmeerscheinung des 20. Jahrhunderts machte, war, dass er Milde und Güte mit einem kompromisslosen Einsatz für die Sache verbunden hat. Trotz aller Erniedrigungen, die Nelson Mandela während seines Lebens erleiden musste, war er dennoch in der Lage zu vergeben. Sein politisches Lebenswerk geht weit über die Grenzen Südafrikas hinaus und soll ein Leuchtturm für alle Menschen sein, die noch immer unter Verleumdung und Unterdrückung leiden.

Dem großen menschlichen Vorbild Nelson Mandelas im politischen Alltag gerecht zu werden ist ein ausgesprochen hohes Ideal. Was man vor allem von seinem Leben lernen kann, ist seinen eigenen Werten unter jeglichen Umständen treu zu bleiben und sich weder von Zwang, noch von Anbiederung, korrumpieren zu lassen. Der Gegenwind, den wir als NEOS in der Politik verspüren, ist natürlich überhaupt nicht vergleichbar mit dem Kampf, den Nelson Mandela sein Leben lang geführt hat. Dennoch möchte ich mir sein Lebenswerk insofern zu Herzen nehmen, als dass ich mein politisches Handeln einzig und allein an dem ausrichten möchte, was ich für wichtig und wahrhaftig erachte, und nicht an dem, was bequem oder opportun wäre.”

 

Im nächsten Artikel folgen weitere Statements von Stimmen aus der Presse und Zivilgesellschaft, sowie aus den NGOs und unterschiedlichen Communities.


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