Fußball als kürzester Weg zur Integration

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30.06.2009 | 18:56 | Mona Parun

Bei der New African Football Association können Migranten und Asylwerber kostenlos Fußball spielen.

WIEN. „Ich kann das Spiel nicht anpfeifen“, sagt der Schiedsrichter. „Warum nicht?“, fragt Location-Scout Atilla Corbaci, der sich das Stadion des SC Mautner in Wien-Simmering für eine Filmproduktion anschaut, „haben Sie etwas gegen die Schwarzen, die da Fußball spielen wollen?“ „Das nicht“, so der Referee, „aber sie haben meine Richtergebühr nicht bezahlt.“

Finden Sie hier Ihre Freunde aus vergangenen Tagen wieder. Sie erinnern sich an einen Freund aus alten Zeiten oder die Freundin von der Nachbarschule, aber der Kontakt ist über die Jahre abgerissen. Wie sieht er/sie heute denn aus? Jetzt können Sie diese wiederfinden.

Am Feld stehen Spieler des integrativen Sportvereins NAFA (New African Football Association), bei dem Asylwerber, Migranten und Jugendliche spielen. 2005 wurde er vom Nigerianer Emanuel Ekeigwe gegründet, um sportbegeisterten Jugendlichen die Chance zu geben, kostenlos Fußball zu spielen. Der Schiedsrichter pfeift das Spiel schließlich doch noch an, da Corbaci sich bereiterklärt, die Gebühr zu übernehmen. „Aber so einfach konnte ich danach auch nicht gehen“, meint der 51-jährige Wiener. Er ist von der Idee des Sportvereins so begeistert, dass er den jungen Leuten helfen will.

Wie viel Geld aus seiner Tasche er schon bezahlt hat, will er nicht sagen – aber wenig ist es nicht. „Das ist nicht nur das Geld für die Fahrkarten, damit sie zum Spiel kommen.“ Asylwerber müssen mit 40 Euro pro Woche auskommen. Dementsprechend läuft ständig die Suche nach Geldgebern. Heute ist Corbaci im Vorstand des Vereins und sucht weiter. Warum er das macht? „Ich weiß, was es heißt, Ausländer zu sein.“

Sein Vater kommt aus der Türkei, die Mutter ist ukrainisch-galizischer Abstammung. Dazu ist er vorbelastet, wie er das nennt – seine Mutter hat über viele Jahre Entwicklungshilfe nach Afrika organisiert.

Im Wien der 60er-Jahre, wo er aufwuchs, waren rassistische Äußerungen keine Seltenheit. Leute zeigten mit dem Finger, wenn ein Schwarzer vorbeiging. An solche Momente kann er sich noch gut erinnern. „Meine Mutter musste überall mehr für alles bezahlen, da wir auch als Ausländer galten.“

Aufstieg in die erste Liga

Fußball bei NAFA bedeutet nicht nur die Möglichkeit, im organisierten Rahmen mitzuspielen, sondern auch professionelle Betreuung. Trainer Karl Berger hat sich bis jetzt viermal die Woche Zeit für die Fußballer genommen. Ehrenamtlich. Und das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten. NAFA ist von der 2. Klasse B in die 1. Klasse der Wiener Liga aufgestiegen. Das wirft auch Probleme auf: „Erste Liga bedeutet das doppelte Budget.“ Aus privaten Geldern kann man nicht alles bezahlen. Zum Glück gibt es viele Helfer, die kein Geld für ihre Arbeit verlangen: der Trainer, aber auch die Wäscherei von Özi Akbbaba, die jede Woche die Trikots wäscht. Staatliche Unterstützung haben sie bis jetzt keine bekommen.

„Sport ist der kürzeste Weg der Integration“, meint Corbaci. Durch Mundpropaganda kommen immer neue Spieler zur NAFA. Manchmal trainieren 60 Leute gleichzeitig auf dem Platz, sagt er. „Ehrgeiz ist alles, was sie haben“, so Corbacci, „das sind wirklich gute Leute, wenn man bedenkt, dass sie aus dem Hobbybereich in kurzer Zeit im Profibereich angekommen sind.“ Und die Zukunft? „Irgendwie geht es weiter“, sagt der 51-Jährige, „aber ich will nicht mehr betteln gehen.“ (MONA PARUN)

http://www.nafa-academy.org

“Die Presse”, Print-Ausgabe, 01.07.2009


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