Fußballintegrationsprojekt für Kinder: Wiens Käfigkicker brauchen Schuhe

Käfig League: Junge Menschen üben - ©Milagros Martinez-Flener

14.12.2011 | 9:05 | Milagros Martinez-Flener

Spieler der “youngCaritas Käfig League”, Programm, das Kindern zwischen sechs und 14 Jahren den Sport näherbringen soll, bitten um Spenden für Hallenschuhe, da sich nicht alle Eltern solche Schuhe leisten können.

Wien. Klar darf er mitmachen, sagt Cheftrainer Leo. Auch, wenn der kleine Bub diesmal kein Trainingsgewand mithat. Und wenn es ihm gefällt, kann er sich gleich direkt beim Trainer anmelden. Die Rede ist von der „youngCaritas Käfig League“, einem Programm, das Kindern zwischen sechs und 14 Jahren den Sport näherbringen soll. Gespielt wird in Fußballkäfigen in ganz Wien.

Die Idee, Kinder mit Migrationshintergrund durch das Training im Käfig zu erreichen, gab es bereits vor zwei Jahren. Der Kolumbianer John Henry Rincón und die Österreicherin Verena Zdesar starteten das Pilotprojekt im Sommer 2009 unter dem Namen „Käfigliga“. Es lief in drei Wiener Bezirken und war so erfolgreich, dass es mit dem „Integrationspreis für Sport 2009“ ausgezeichnet wurde.

Angesichts des großen Potenzials wandten sich Zdesar und Rincón an die Caritas und baten sie, das Projekt zu übernehmen. Im Mai 2010 fand der Kick-off unter dem neuen Namen „youngCaritas Käfig League“ statt. Mit Unterstützung der Stadt Wien, der Bank Austria und der Wiener Fußballklubs Rapid und Austria wurde das Projekt auf ganz Wien ausgeweitet. Vor Kurzem übernahm auch der österreichische Rekordnationalspieler und ehemalige Teamkapitän Andi Herzog die Patenschaft für die „Käfig League“.

Mädchen werden gesucht

Die Zielgruppe, Kinder zwischen sechs und 14 Jahren, wurde deshalb ausgewählt, weil gerade sie im Alltag gegen größere Kinder und Jugendliche im Käfig kaum bestehen könnten. Gezielt gesucht werden auch Mädchen, die für den Fußball gewonnen werden sollen. Mittlerweile sind rund 600 Kinder, davon 40 Mädchen, aus verschiedenen Ländern in der „Käfig League“ angemeldet.

Die Kommunikation innerhalb der Gruppen erfolgt auf Deutsch. Kleinere Reibereien zwischen verschiedenen Kindern gibt es zwar immer wieder, auch entlang ethnischer Grenzen. „Aber wenn wir die Mannschaften mischen“, sagt Liga-Leiter Alexander Schneider, „vergessen sie diese Rivalität und sind nur mehr am Fußballspielen interessiert.“

Probleme gibt es dennoch. So kommt etwa während der kalten Jahreszeit rund ein Drittel weniger Kinder zum Training. Der Grund: In den Wintermonaten verlagert sich das Training in Schulhallen – und dort besteht Hallenschuhpflicht. Da sich allerdings nicht alle Eltern solche Schuhe leisten können – und einige der Kinder sich deswegen schämen –, fallen viele beim Training und bei den Winterturnieren aus. Um dem entgegenzuwirken, hat die Käfig League auf ihrer Facebook-Seite einen Spendenaufruf für Hallenschuhe gestartet. Damit bald wirklich jeder mitmachen kann.


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