Wien: Größte jüdische Sportveranstaltung der Welt findet statt

Für Österreich: Raphael Sternfeld im Golf und Jair Zelmanovics im Tischtennis (von links) - © Milli Flener
AUF EINEN BLICK
  • Die Makkabiade ist die größte jüdische Sportveranstaltung der Welt. Vom 5. bis 13.Juli findet sie erstmals in Wien statt.
  • Teilnehmer: Rund 2000 jüdische Sportler aus aller Welt werden zu dem Ereignis erwartet. Österreich tritt mit etwa 200 Teilnehmern an.
  • Eröffnung: 5.Juli 2011
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29.03.2011 | 19:38 | Ida Labudovic

Die Makkabiade ist die größte jüdische Sportveranstaltung der Welt. Im Juli findet sie erstmals in Wien statt. Österreich ist dabei mit rund 200 Athleten vertreten, die Eröffnung wird auf dem Rathausplatz abgehalten.

Wien. Knapp 100 Tage sind es noch bis zum Beginn – am 6.Juli wird die Fackel der 13.Europäischen Makkabi-Spiele vom Judenplatz durch die Stadt getragen. Bei der Eröffnungsfeier am Rathausplatz am 5.Juli wird das Feuer schließlich entzündet. Jene Flamme, die bis zum 13.Juli brennen wird, als Symbol der Makkabi-Spiele, einer Sportveranstaltung ausschließlich für Juden. Auch Bundespräsident Heinz Fischer wird anwesend sein– zur Würdigung der Spiele, die zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg im deutschsprachigen Raum stattfinden.

„Im Europa Anfang des 20.Jahrhunderts wurde es für Juden fast unmöglich, in nicht jüdischen Sportvereinen aufgenommen zu werden. Deswegen haben wir Sportvereine gegründet, bis sie 1938 zwangsgeschlossen wurden“, sagt Oskar Deutsch, Vorsitzender des Organisationskomitees. In Wien gab es etwa beim S.C. Hakoah großen Zulauf – und auch immer mehr Sportarten wurden in das Angebot des Sportklubs aufgenommen.

Kulturprogramm mit Filmen
Unter den erfolgreichsten Sportlern waren die Schwimmerinnen, eine davon Judith Deutsch, österreichische Meisterin im Freistil. Wie auch viele andere musste sie aus Wien fliehen. Der Film „Water Marks“ über diese Schwimmerinnen, die nach vielen Jahren wieder Wien besucht haben, wird Teil des Kulturprogramms der europäischen Makkabi-Spiele sein. „Diejenigen, die den Holocaust überlebt haben, wollten jüdische Sportvereine neu organisieren und haben die Hakoah neu aufgebaut“, erklärt Deutsch. Jahrzehntelang hat der S.C. Hakoah gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde darum gekämpft, ihren Sportplatz wiederzubekommen. Schließlich, im Jahr 2002, erhielt der Verein das Gelände im Prater zurück. Und hier, auf dem heutigen IKG-Campus, werden die heurigen Spiele auch abgehalten.
Raphael Sternfeld wird auch dabei sein – der aus einer alten jüdischen Wiener Familie stammende SPÖ-Politiker wird beim Golf antreten. 2001 war er schon bei der Makkabiade in Tel Aviv dabei – sogar als Fahnenträger. Und auch schon sein Vater hat an der Makkabiade teilgenommen – und dabei im Schwimmen eine Goldmedaille gewonnen. „Für mich ist es eine große Ehre, an den Makkabi-Spielen teilzunehmen“, sagt Sternfeld.
Auch Jair Zelmanovics wird bei den Spielen dabei sein, nicht nur als Tischtennisspieler, sondern auch als Kapitän des Österreichischen Teams. „Die Österreichische Mannschaft ist mit zirka 200 Sportlern die größte, die es bei den Makkabi-Spielen jemals gegeben hat“, sagt er. „Wir werden in 16 von 19 aller ausgetragenen Sportarten Österreich repräsentieren.“

Wien sticht Madrid aus
Neben Österreich werden auch England und Deutschland mit mehr als 200 Teilnehmern antreten. Insgesamt sind 2000 Sportler aus aller Welt zu erwarten. Das Motto ist „Spiele der kurzen Distanzen“ – fast alle Wettbewerbe werden um das Hakoah-Sportzentrum stattfinden. Die Makkabi-Spiele finden alle vier Jahre in Israel statt, dazu alternierend gibt es alle vier Jahre auch Spiele in Europa. Die Makkabiade ist die größte jüdische Sportveranstaltung, ähnlich konzipiert wie die Olympischen Spiele. Erstmals abgehalten wurden sie 1932 im damaligen Palästina. „Der Name Makkabäer stammt vom Anführer eines jüdischen Aufstandes gegen die griechische Herrschaft“, sagt Maurizi Berger, stellvertretender Vorsitzender der Spiele. Er selbst war seit frühester Jugend Handballspieler bei der Hakoah. Im Jahr 1997 war er anwesend, als beim Einmarsch in das israelische Nationalstadion in Ramat Gan eine Brücke zusammenbrach. Vier Sportler kamen dabei ums Leben: „Ein schreckliches Ereignis“, erinnert sich Berger. „Jedem ist bewusst, dass die Sicherheit, die von der Kultusgemeinde und dem Innenministerium organisiert wird, eine große Aufgabe ist. Eine Vielzahl an Mitarbeitern wird sich um die Sicherheit sorgen“, sagt Deutsch. Wien hat gegen die Mitbewerber Sankt Petersburg, Stockholm und Madrid gewonnen: „Der Stadt Wien sind wir für die Unterstützung sehr dankbar. Es ist keine Selbstverständlichkeit, am Rathausplatz die Eröffnungsfeier abzuhalten, bisher war das immer in einem Stadion“, sagt Deutsch, der allerdings noch zusätzliche Sponsoren für die Spiele sucht.

Große Hoffnungen
Organisator Oskar Deutsch, selbst Gründer des S.C. Maccabi Wien, ist mit großer Überzeugung dabei. „Das erste Mal nach dem Krieg kommen so viele Juden nach Wien, um Sport zu betreiben, Spaß zu haben, in Kontakt mit der nicht jüdischen Bevölkerung zu treten und in eine gemeinsame Zukunft zu schauen“, sagt Deutsch, der Geschäftsleiter eines Familienbetriebs und langjähriger Vizepräsident der IKG ist. Er erhofft sich jedenfalls viel von der Makkabiade in Wien. Zuletzt war er bei der Eröffnung der Makkabi-Spiele in Israel: „Ich war dabei, während 40.000 Leute jubelten“, erzählt er. „Das ist ein wunderbares Gefühl des Zusammenseins.“

(IDA LABUDOVIC, Die Presse, Print-Ausgabe, 30.03.2011)


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