Terefe Mekonnen: Vom Tempomacher zum Marathonsieger

Terefe Mekonnen beim Aufwärmen - ©privat

30.03.2011 | 8:38 | Desta Alemu

Eigentlich war der gebürtige Äthiopier Terefe Mekonnen beim Grazer Marathon 1996 nur als Tempomacher vorgesehen – doch auf einmal wurde er als Sieger abgewinkt. Heute lebt er als Lauftrainer in Graz.

Wien. „Ich bin eigentlich als Tempomacher gestartet. Der programmierte Erstplatzierte war ganz hinten, und ich wollte aufhören, aber der Rennleiter hat zu mir gesagt, dass ich weiterlaufen soll. Und da habe ich gewonnen.“ So einfach klingt es, wenn Terefe Mekonnen über den Marathon in Graz 1996 spricht. Der gebürtige Äthiopier mit österreichischer Staatsbürgerschaft, der seit mittlerweile 20 Jahren in Graz lebt, kann mit Stolz auf zahlreiche Siege und Rekorde zurückblicken.

Mekonnen, Jahrgang 1964, begann schon während seiner Schulzeit Handball zu spielen. „Ich war schnell, und mein Trainer riet mir, zum Laufsport zu wechseln, was ich dann auch machte.“ Er begann die 5000 Meter, 10.000 Meter und Cross-Country zu laufen. Und seit 1986 auch die Marathonstrecke. Seinen ersten internationalen Wettkampf hatte er 1983 als Junior in England (Gateshead) beim World-Cross-Country-Lauf, wo er den sechsten Platz mit der äthiopischen Mannschaft erreichte. 1992 wurde er vom Organisator des Wien-Marathons eingeladen und erreichte Platz sechs. „Mein Ziel war, beim Wien-Marathon meine persönliche Bestzeit zu verbessern“, berichtet Mekonnen.

Schließlich entschloss er sich, in Österreich weiterzulaufen. „Eritrea wurde selbstständig, und als Marineoffizier ohne äthiopischen Hafen hätte ich keine Möglichkeiten gehabt. Daher habe ich beschlossen, die äthiopische Nationalmannschaft zu verlassen.“ Mit österreichischer Unterstützung konnte er zwischen 1992 und 1993 noch zahlreiche gute Platzierungen erreichen. 1996 wurde er österreichischer Staatsmeister über 10.000 Meter, 1997 lief er im 24-Stunden-Lauf Staffel-Weltrekord.

Karriere als Trainer

„Seit meinem Sieg in Graz ist die Stadt für mich und meine Familie auch Lebensmittelpunkt geworden“, erzählt Mekonnen, der seit 1997 die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt. Schon während der Zeit als aktiver Sportler begann er mit Unterstützung von Freunden und Bekannten seine Trainertätigkeit. Heute trainiert er beim LTC Deutschlandsberg die Jugend und Erwachsene, in Graz bei der Caritas die Teilnehmer des Projekts SIQ (Sport – Integration – Qualifikation) und einige Athleten einzeln.

„Für den Marathon und Langstreckenlauf muss man viel trainieren, richtig trainieren und vor allem den Willen haben“, sagt er. Einen Willen, wie ihn etwa auch der äthiopische Langstreckenläufer Haile Gebresellassie (zweifacher Olympiasieger, 27-facher Weltrekordler, zehnfacher Weltmeister und Inhaber des aktuellen Marathonweltrekords) hat. „Er ist für alle Äthiopier ein Idol. Ich habe ihn durch seinen Bruder Tekeye kennengelernt, der mit mir in der Marine war und im selben Verein gelaufen ist“, erzählt Mekonnen.

Integrationsprobleme sind für ihn kein Thema. In seiner Tätigkeit als Lauftrainer hatte er damit noch nie Probleme. Er fühlt sich längst als Österreicher, seine äthiopischen Wurzeln möchte er allerdings nicht vergessen. Zu Feiertagen gibt es bei ihm daheim etwa traditionelles äthiopisches Essen.

Äthiopische Kaffeezeremonien

Darüber hinaus veranstaltet er mit seiner Familie verschiedene Workshops und äthiopische Kaffeezeremonien, deren gesamter Erlös dem Bau der dritten Schule des Vereins „Schule Äthiopien“ und dem Bau der „Krankenstation Sonnenblume“ in Deutschlandsberg zugutekommt. „Running is Life“ – mit diesem Motto möchte er es schaffen, eine Kombination der äthiopischen Lauftrainingsmethoden mit den österreichischen zu erreichen. Und so die Sportler unterstützen – bis auch sie vielleicht einmal einen Marathon gewinnen.

(DESTA ALEMU, “Die Presse”, Print-Ausgabe, 30.03.2011)


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