Integration in Schweden: “Sich auf dem halben Weg treffen”

S. Appelgren (v.rechts)
ZUR PERSON:
  • 2009 wurde Sofia Applegren von Ashoka Scandinavia, der weltweit führenden Community von sozial engagierten Unternehmern, als eine von neun Unternehmern in Schweden anerkannt, die innovative Lösungen für soziale Probleme entwickelt hat und Vorurteile in der Gesellschaft beseitigen kann. 2011 wurde Applegren von der Schwedischen Handelskammer für ihre Arbeit mit Einwanderern ausgezeichnet.

11.01.2013 | 14:52 | Milagros Martinez-Flener

Die Schwedin Sofia Appelgren gehört der neuen Generation von Unternehmerinnen an. Sie ist sozial engagiert und hat das Ziel, Diversität und Integration in Schweden zu vereinen.

Rund 14% der Bewohner Schwedens wurden im Ausland geboren und bis 2015 soll die Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Arbeitsalter rund 27% ausmachen. Sprich: jeder dritte Schwede wird Migrationshintergrund haben. Und obwohl die Regierung unzählige Integrationsinitiativen auf die Beine stellt, sehen sich junge Migranten in einigen Regionen Schwedens oft mit Arbeitslosigkeit und Isolation konfrontiert. So ist die Segregationsrate in Göteborg die höchste Europas. “Die Migranten leben auf der einen Seite und die Schweden auf der anderen und sie haben Angst vor einander”, sagt die Unternehmerin Sofia Appelgren.

Anstatt darauf zu warten, dass die Regierung oder die Wirtschaft Lösungen auf diese Segregation findet, gründete Sofia Applegren 2008 “Mitt Liv” (“Treffen auf dem halben Weg”), ein soziales Unternehmen, das die die schwedische Mehrheitsgesellschaft mit den Migranten in Schweden zusammen bringt und gegenseitige Ängst bekämpft. “Integration ist, wenn man sich auf dem halben Weg trifft”, sagt die 30 jährige Schwedin, “und deswegen sind unsere Aktivitäten sowohl auf jene ausgerichtet, die sich wünschen, ein Teil der Lösung zu sein, als auch auf diejenigen, die sich dafür engagieren wollen”.

Mentoring für Migranten

Das Mentoring Programm “Mitt Liv” bringt in Göteborg junge Migranten, die auf der Suche nach einer Arbeit sind, mit Mitarbeitern aus schwedischen Firmen zusammen. Bei der Suche nach einem Job spielen in Schweden nach wie vor Kontakte und Referenzen eine große Rolle. Acht von zehn Bewerbern bekommen einen Job dank positiver Empfehlungen. Und genau daran mangelt es bei den Migranten in der Regel. Hinzu kommt, dass in den Medien oft ein negatives Bild der Migranten vorherrscht.

Das Mentoring Programm, finanziert sich mittlerweile selbst, arbeitet eng mit dem Wirtschaftssektor zusammen und hilft dabei Migranten, die notwendigen Referenzen zu bekommen. Der Erfolg von Sofia Appelgren erklärt sich auch dadurch, dass sie die Sprach- und Kulturkompetenz der Migranten als Gewinn für die schwedische Wirtschaft sieht und fördert. Unter den Partnerfirmen des Projekts finden sich 24 der größten Unternehmen Schwedens. Die Palette reicht von Kosmetikfirmen bis hin zu Finanzdienstleistern. “Diversität und Inklusion sind im Wirtschaftsleben wichtig und für die Firmen sind die Ergebnisse erstaunlich, da sie durch die Migranten plötzlich ganz neue Zielgruppen erreichen”, ergänzt Appelgren.

Das Projekt macht Schule

Ein starker Wille und fließendes Schwedisch sind die Voraussetzungen, damit ein Kandidat in das Programm aufgenommen wird. Die Berufseinsteiger werden dann von Mentoren, die ähnliche berufliche Interessen haben, betreut. Im Verlauf eines Jahres absolvieren die Kandidaten individuelle und auf sie zugeschnittene Kurse, die ihnen beim Übergang in die Arbeitswelt helfen sollen. Das Besondere an diesem Projekt ist, dass die Teilnehmer “ihre Träume als Option betrachten können”, sagt Appelgren. Mit einem Job verbessert sich das Selbstwertgefühl und der Integrationsprozess beschleunigt sich.

Mittlerweile umfasst das Programm 60 Mentoren und 60 Teilnehmer aus 36 Ländern, die 40 Sprachen sprechen. 24% davon haben in ihrer Heimat studiert und einen akademischen Abschluss erreicht. Als Gegenleistung arbeiten die Programmteilnehmer als Vortragende, sie testen Produkte, oder sie helfen, Werbekampagnen für ihre Landsleute zu entwickeln. “Mitt Liv” ist mittlerweile in andere Städte, wie Stockholm, expandiert und soll nächstes Jahr auch in Malmö und Barcelona implementiert werden.

Angst in Neugierde verwandeln

Mit ihrem Engagement gegen Vorurteile hat Sofia Appelgren bereits zwei Ziele erreicht: Sie hat die Angst vor Migranten bei viele Schweden in Neugierde verwandelt und sie hat bei Unternehmen eine Nachfrage nach Migranten geschaffen. Applegren: “Dank unserer Partner erweitern wir das Bewusstsein, dass Integration ein Aufeinander-Zugehen ist und so können wir gemeinsam zu einer Gesellschaft beitragen, in der kulturelle Vielfalt nicht nur selbstverständlich, sondern auch eine Bereicherung ist.“


ein Kommentar

  • Kowalski

    Berichten sie mal lieber über die Vergewaltigungen und No Go Zonen für Schweden,Polizei und Feuerwehr Geschrieben um 17. Januar 2013 um 10:26 Antworten

Kommentieren Sie den Artikel





Weitere Artikel von Milagros Martinez-Flener