„Na zdorovje!“ – Wie ein Getränk um die Welt ging

wodka - ©Larisa Kocubej

11.03.2009 | 19:41 | Larisa Kocubej

Warum Wodka zunächst keinem Russen schmecken wollte und dann doch Nationalgetränk werden sollte.

WIEN. Die Vorstellungen über die Länder der ehemaligen Sowjetunion werden noch immer von alten Stereotypen geprägt. Speziell im deutschsprachigen Raum wird für jeden, der aus einem dieser 15Länder stammt, angenommen, er sei Russe. Zweitens wird erwartet, dass derjenige quasi eimerweise Wodka trinken kann. Immerzu wird dem vermeintlichen Russen mit „Na zdorovje!“ zugeprostet.

Kaum jemand ahnt dabei, dass „Na zdorovje!“ ein polnischer Spruch ist. In Russisch lautet ein ähnlicher Trinkspruch „Budem zdorovy!“ – „Mögen wir gesund sein!“. Doch aus Höflichkeit verbessert der Gast seinen Gastgeber nicht. So lebt der Irrtum weiter.

Wodka zu trinken wird in Russland feierlich zelebriert. Ein handfester Imbiss – Sakuska – gehört dazu: eingelegte Gurken, Pilze, warme und kalte Gerichte bedecken fast vollständig die Tafel. Wodka wird nach einem zum Anlass passenden Trinkspruch mit einem Schluck ausgetrunken. Um sofort nachspülen zu können, steht neben dem Wodkaglas ein zusätzliches Getränk (Mineralwasser, Saft) bereit. Auf der anderen Seite steht eine traurige Tatsache: Jahr für Jahr sterben Tausende durch Alkohol. Viele konsumieren billige Getränke und brennen den Schnaps selbst.

Aber: Wie kommt es dazu, dass Wodka weltweit mit Russland in Zusammenhang gebracht wird? „Wodka“: Dieses Wort ist bekannt seit dem 17.Jahrhundert und eine Ableitung von „woda“ (Wasser). Davor nannte man die Spirituose „Brotwein“ oder „bitteren Wein“.

Ein Destillat namens „Aquavitae“ wurde im 14. Jahrhundert von genuesischen Kaufleuten nach Russland gebracht. Sie wurden in Moskau vom Großfürsten Dmitri Donskoi freundlich empfangen. Als Dankeschön überreichten sie ihm einige Behälter dieses „Aquavitae“. Doch dieses „Wasser des Lebens“ hat die Geschmäcker nicht erfreut.

„Brennender Wein“

Jahrzehnte verstrichen, und 1429 fand Spiritus wieder seinen Weg nach Moskau; dieses Mal wurde er als die Universalmedizin angepriesen. Und mit Wasser verdünnt am Hofe getrunken. Schon bald gab es eine eigene Produktion. Auch die Klöster fingen an, Wodka herzustellen.

IvanIII. verordnete daraufhin ein Staatsmonopol für die Produktion und den Verkauf alkoholischer Getränke, was 300 Jahre gelten sollte. Keine 100 Jahre später wurde „brennender Wein“ aus Russland in viele Länder Europas exportiert. Wodka wurde nicht nur getrunken, sondern auch zum Stabilisieren von kräftigen Rotweinen verwendet.

Spiritus wurde aus Getreide gewonnen und mehrmals destilliert, dann mit Wasser verdünnt, aromatisiert, mit Milch oder Eiweiß gereinigt und anschließend durch Sand oder Birkenkohle bis zur perfekten Reinheit gefiltert. Für das Würzen des traditionellen Getränks wurde nahezu alles benutzt; fast jeder Grundbesitzer hatte seine eigene Wodkaspezialität.

Nach der Oktoberrevolution 1917 wanderten zahlreiche Wodkahersteller aus und brachten die Produktion des Wodkas nach Westeuropa und Nordamerika. Seit dem Cocktail-Boom der Fünfzigerjahre ist Wodka weltweit in aller Munde. (LARISA KOCUBEJ)

“Die Presse”, Print-Ausgabe, 11.03.2009


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