Billig telefonieren in die alte Heimat

Telefonieren in die Heimat - Symbolbild

09.09.2008 | 8:09 | Yordanka Hristozova-Weiss

Ältere gehen in Call-Shops, Jüngere telefonieren über das Handy. Spezielle Angebote gibt es für beide.

Eine Dame telefoniert jeden Tag um 10 Uhr mit ihrer Schwester in Bosnien. Sie bezahlt jedes Mal genau 65 Cent. Es werden die gleichen Fragen gestellt, oft kommen die gleichen Antworten“, erzählt Elvir Zazinkic von Global Connection. Der klingende Name des kleinen Call-Shops im 20. Bezirk verspricht nicht zu viel: es werden Kabinen für Gespräche ins Ausland, Calling Cards und Handys angeboten.

„Stammkunden sind ältere Menschen. Manche haben kein Festnetz, andere kommen, weil es billiger ist“, so Zazinkic. „Die Gespräche sind eher lang, das längste dauerte 75 Minuten. Es wird über Familie, Gesundheit und Wetter gesprochen“, gibt sich der Mitarbeiter diskret. Eine Minute in die Türkei kostet 9 Cent.

Doch der Betreiber sieht die Kabinen längst als Auslaufmodell. Bevorzugt werden Calling Cards. Mit einer Karte um 5 Euro kann man bis zu 300 Minuten von zuhause aus ins Ausland telefonieren. Die bekanntesten Marken sind UniCards, Lycatel und Procard. Zur Verwendung müssen die auf der Wertkarte angegebene Nummer und der Code der Karte gewählt werden. Die Gesprächskosten werden dann vom Guthaben abgebucht. Preisangaben in Cent pro Minute gibt es nicht, es wird nur die maximal mögliche Gesprächsdauer pro Zielgebiet angegeben. „Die eine oder andere Minute geht wegen Systemfehlern verloren“, lautet die Erklärung dafür. Die Reklamation erfolgt in jenem Call Shop, wo die Karte gekauft wurde. „Wir leiten die Beschwerde an den Hersteller weiter. Der sieht sich die Seriennummer an und überprüft im System, um wie viel die Person telefoniert hat“, so Zazinkic.

Eine weitere Alternative sind die Call-Through Angebote. Telediscount und Billignet sind die populärsten. Ab 2,2 Cent pro Minute kann man von einem Festnetzgerät aus diesen Dienst in Anspruch nehmen. Es wird eine Mehrwertnummer (0810xx oder 0820xx) gewählt, es folgt eine Tonbandansage, die über die Kosten des Telefonats informiert, und das Gespräch kann mit dem Wählen der gewünschten Nummer starten. Die Kostenkontrolle fällt aber schwer und erfordert ein gutes Erinnerungsvermögen: In der Telefonrechnung scheint nur die Mehrwertnummer auf, nicht jedoch die eigentliche Zielnummer.

„Junge Leute bevorzugen Anbieter von Auslandsgesprächen vom Handy aus“, erklärt Elvir Zazinkic. Wie der erste Ethno-Mobilfunkanbieter eety, der seit 2006 ein zielgruppengerechtes Angebot ohne Aktivierungs- und Grundgebühr anbietet. Keine versteckten Kosten, gute Sprachqualität und 98 Prozent Netzabdeckung österreichweit verspricht Geschäftsführer Richard Kernbeis: „Für 4,9 Cent pro Minute kann man ins deutsche, türkische oder kroatische Festnetz telefonieren, Handytarife in diese Länder starten ab 14,9 Cent.“ Der Kunde kauft eine Wertkarte im Fachhandel, das Startset kostet 14,90 Euro inklusive 5 Euro Guthaben. Nach Aktivierung der SIM-Karte wird das Handy mit dem ersten Anruf frei geschaltet.


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