Studie: MigrantInnen sind im Job benachteiligt

25.01.2012 | 10:41 | Iris Bonavida

Laut einer AK-Studie wird jeder dritte arbeitende Migrant unter seinem Ausbildungsniveau eingesetzt. Nur jeder zwanzigste arbeitende Migrant verdient über 2400 Euro netto.

Wien. Ein Ingenieur als Hilfsarbeiter, eine Ärztin als Pflegehelferin: Migranten sind auf dem österreichischen Arbeitsmarkt deutlich benachteiligt. Das ergab eine Studie der Arbeiterkammer Wien (AK). Ein Drittel der Beschäftigten mit Migrationshintergrund bekommt demnach einen Job unter dem eigentlichen Ausbildungslevel. Bei den übrigen Arbeitnehmern sind es nur elf Prozent. Diese Unterschiede machen sich auch bei der Entlohnung bemerkbar: Nur jeder zwanzigste arbeitende Migrant verdient über 2400 Euro netto – im Gegensatz zu autochthonen Österreichern, hier liegt jeder Fünfte über dieser Grenze.

Hauptgrund für diese Unterschiede ist neben dem unterschiedlichen Ausbildungsniveau auch die komplizierte Anrechnung von im Ausland erworbenen Qualifikationen (siehe Artikel oben). Doppelt belastet sind übrigens Migrantinnen – sie haben auch mit der Einkommenskluft zwischen Männern und Frauen zu kämpfen: 36 Prozent der weiblichen Migranten üben lediglich eine Hilfstätigkeit aus. Angesichts dieser Zahlen fordert Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel, dass Kenntnisse gezielt anerkannt und Kompetenzen eingeschätzt werden.

Als Lösung der Probleme sieht Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz die viel zitierte „Integration durch Leistung“, die vor allem auch auf Deutsch als Integrationsgrundlage setzt. „Das heißt, dass wir darauf schauen, was jemand in Österreich leistet, und nicht auf Hautfarbe, Religion oder Herkunft“, sagt Kurz. „Dazu muss man allerdings auch die Rahmenbedingungen bieten.“

Zumindest sprachlich wären diese auf dem Arbeitsmarkt schon gegeben: Laut Studie gaben 60 Prozent der Migranten an, fließend Deutsch zu sprechen. Die Anzahl der durchschnittlich gesprochenen Sprachen beträgt bei ihnen 2,9 – und ist damit sogar höher als die der Nichtmigranten (2,5).

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 25.01.2012)


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