Das Schwein als Sparsymbol

27.04.2011 | 0:38 | Siobhan Geets

In Europa zählt das Sparschwein zu den Klassikern der Sparkultur. Doch das Schwein wird als Sammelgefäß für Münzen immer mehr zurückgedrängt. Schon in der Antike wurden Sparbehälter für Münzen hergestellt.

Wien. Dicker Bauch, oben der Einwurfschlitz – und sobald es klimpert, muss man das Gefäß zerschlagen, um an die Münzen zu kommen. So sieht der Klassiker aus – das Sparschwein.

Schon in der Antike wurden Sparbehälter für Münzen als Massenware hergestellt. Zu den ältesten Spardosen zählen aus Ton gebrannte Hohlkugeln, die in ihrer Form an Frauenbrüste erinnern sollten – eine Assoziation, die Natursegen und Fruchtbarkeit symbolisieren sollte.

Das Schwein wiederum ist ein in Europa kulturgeschichtlich wichtiges Symbol für Fruchtbarkeit, Nützlichkeit und Genügsamkeit. Daher auch das „Glücksschwein“, etwa zu Neujahr. Ein in Teilen Europas bekannter Brauch, zu Neujahr gewaschene Ferkel herumzureichen, sollte jenen, die das Tier berühren, zu Glück und Wohlstand verhelfen. Darüber hinaus galt das Schwein als Orakeltier, man sprach ihm die Macht zu, die Zukunft positiv zu beeinflussen.

Vor allem für früher in ärmlichen Verhältnissen lebende Bauern spielte das Schwein eine wichtige Rolle. Wer über genügend Schweine verfügte, dessen Fleischbedarf war gesichert. Wessen Sau viele Ferkel warf, der hatte sprichwörtlich „Schwein“. Schweine wurden daher mehr als andere Nutztiere mit Reichtum, Fruchtbarkeit und Glück in Verbindung gebracht.

Schwein mit Einwurfschlitz

Das erste Sparschwein mit Einwurfschlitz wurde im deutschen Rheinland nachgewiesen. Die Legende besagt, dass der Burgherr Wilhelm Spieß von Büllesheim Mitte des 16.Jahrhunderts auf die Idee kam, eine aus Ton gefertigte Schweineplastik mit einem Schlitz zu versehen, um sie als Sparbehältnis zu verwenden. Seine Kinder sowie die Bediensteten seiner Burg Schweinheim sollten auf diese Weise Geld für schlechte Zeiten zurücklegen. Im Ort Euskirchen, in dem die Burg Schweinheim liegt, befindet sich heute die „Schutzgemeinde Deutsches Sparschwein“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das mittelalterliche „Ur-Sparschwein“ zu rekonstruieren und die „Feinde des Sparschweins“ auszumachen und zu bekämpfen.

Denn es sind nicht alle Spardosen Schweine: Sparkühe, Sparelefanten sowie verschiedene Formen des Sparobstes drängen auf den Markt. Die niederländische Fortis Bank setzte etwa 2008 Schweinchen Knorbert als Maskottchen ab – unter anderem aus Rücksicht auf muslimische Kunden. Schließlich gilt das Tier im Islam als unrein. Derartige Pläne gibt es in Österreich nicht. Die türkische Deniz Bank etwa zeigt sich auf Nachfrage eher überrascht: Man verstehe sich als österreichische Bank. Sparschweine gebe es zwar nicht. Momentan aber auch keine Kugelschreiber.

(Siobhan Geets, “Die Presse”, Print-Ausgabe, 27.04.2011)

 


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