Zuwanderer als Wirtschaftsmotor Wiens

Integration auf der Homepage von Etsan

08.10.2008 | 17:50 | Yordanka Hristozova-Weiss

Ein Drittel der Wiener Betriebe wird von Migranten geleitet.

WIEN. In der Wirtschaft sind Neoösterreicher stark vertreten. Nicht weniger als ein Drittel der 16.000 Betriebe Wiens werden von Menschen geleitet, die ihre Wurzeln jenseits der österreichischen Grenzen haben.

Ethnische Ökonomien agieren als wichtige Wirtschaftsakteure, wissen aber wenig über die Förderungen, die die öffentliche Hand anbietet. Um diese Defizite zu beheben, startet der Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds („waff“) die Veranstaltungsreihe „Unternehmen Interkult“. Im Vordergrund steht die Unterstützung bei der Ausbildung von Lehrlingen, eine Auftaktveranstaltung ist am Montag über die Bühne gegangen.Fritz Meißl, Geschäftsführer des „waff“, sagt, dass fast ein Fünftel – exakt: 18 Prozent – der migrantischen Unternehmen Lehrlinge ausbilden möchte. Deshalb steht für den Fonds im Vordergrund, dieses Potenzial für Jugendbeschäftigung zu nutzen – nicht zuletzt deshalb, um den Mangel von Fachkräften zu verringern.

Das Miteinander lernen

Das Angebot für Betriebe von Migranten reicht allerdings weiter: Unter anderem können auch Deutschkurse belegt werden, mindestens ebenso bedeutend für ein konfliktfreies Miteinander sind Kurse, in denen die interkulturelle Kompetenz geschärft wird. Selbstverständlich gibt es auch finanzielle Unterstützung bei Bauinvestitionen oder bei der Vorauswahl von Personal.

Eben davon will Radovan Tomas profitieren, der Inhaber von zwei Sportartikelgeschäften. Sein Betrieb sucht eine Verkäuferin: „Der ,waff‘ übernimmt die Vorauswahl, und zum Bewerbungsgespräch kommen nur Personen, die auf das Profil meines Betriebes zugeschnitten sind.“ Allerdings: Die derzeit schlechte Beschäftigungssituation zwingt viele der Neo-Österreicher in die Selbstständigkeit.

Aufgrund der Zahlen des „waff“ stammen die meisten Chefs migrantischer Betriebe aus Polen. Handwerk und Bauhilfsgewerbe stehen dabei im Vordergrund. Einwanderer aus Ex-Jugoslawien widmen sich eher dem Transport- und Logistikbereich und jene aus der Türkei dem Handel. Die Beratungen werden auch in Türkisch, Serbisch und Polnisch angeboten.

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 08.10.2008)


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