Das harte Los der Schwarzen

21.01.2009 | 18:20 | Duygu Özkan

Die USA haben seit Dienstag ihren ersten afroamerikanischen Präsidenten, in Österreich kämpfen afrikanische Migranten nach wie vor gegen Vorurteile, Rassismus und Benachteiligung am Arbeitsplatz.

Die Angelobung eines schwarzen US-Präsidenten galt lange als Ding der Unmöglichkeit. Nun haben die USA mit Barack Obama den ersten afroamerikanischen Präsidenten. Und wie sieht die Situation der Schwarzen in Österreich aus?

Nun, Afrikaner, die hier leben – auch wenn es nur eine vergleichsweise kleine Minderheit ist – sehen sich in der Situation, sich stets gegen Vorurteile wehren zu müssen. „Wir sind eher von Ausländerfeindlichkeit betroffen, da die Herkunft eindeutig sichtbar ist“, sagt Alexis Neuberg, Obmann und Gründer von Radio Afrika TV: „Männer werden als Drogendealer wahrgenommen.“

Der schwere Zugang zum Arbeitsmarkt, so der gebürtige Ruandese, sei nicht förderlich für eine erfolgreiche Integration. Afrikaner in Führungspositionen seien in Österreich noch kaum vorstellbar: „Menschen mit dunkler Hautfarbe werden eher in niedrigen Positionen beschäftigt. Das ist auf Dauer eine psychologische Last.“

Keine Chance am Arbeitsmarkt

Vor allem Asylwerber haben kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Neuberg bedauert, dass auf ihre Qualifikationen und Kompetenzen kaum Wert gelegt wird. Manche afrikanische Frauen etwa hätten oft keine andere Wahl, als sich zu prostituieren. Neuberg: „Viele Mädchen und Frauen kommen zu diesem Job, da Prostitution als einziger offizieller Job – außerhalb von Saisonjobs – für Asylwerberinnen erlaubt wird. Sie werden dann auf der Straße gesehen und als exotische Prostituierte wahrgenommen.“ Dieses Bild übertrage sich dann auch auf andere schwarze Frauen.

Joana Adesuwa-Reiterer, Gründerin des Vereins „Exit“ zur Bekämpfung von Menschenhandel, betont, dass viele afrikanische Prostituierte durch Menschenhandel nach Österreich gelangt sind. Ihre Situation sollte nach Adesuwa-Reiterer stets im Anbetracht dieser Umstände gesehen werden, da sie lange Wege und Demütigungen erleiden mussten, um schließlich in Österreich anzukommen. „Etwa 200 afrikanische Frauen arbeiten in Wien als Prostituierte, die meisten stammen aus Nigeria“, so die Expertin.

Auch Emeka Assor jun. sieht sich mit Klischees und Vorurteilen konfrontiert. Der 23-jährige gebürtige Nigerianer ist im Vorstand des Vereins der Konservativen Migranten: „Als junger Afrikaner fällt mir auf, dass man in Österreich sehr oft unterschätzt und belächelt wird, wenn man visionäre Ziele hat.“ Im beruflichen Alltag „können und müssen“ junge Afrikaner mehr leisten als ihre Berufskollegen, so Assor. Diesen Umstand sieht er aber auch als Vorteil, „weil dadurch auch mehr Potenzial entwickelt wird.“

Eine Transformation des negativen Bildes über Afrikaner könne nur gelingen, so Neuberg, wenn „die Entscheidungsträger der Gesellschaft auch mitmachen. In diesem Land sehe ich noch keinen politischen Willen, diese Situation zu ändern.“ Ziel wäre, Menschen mit dunkler Hautfarbe an sichtbaren Stellen anzustellen. Dies könne erreicht werden durch „Lobbyarbeit von afrikanischen und österreichischen Organisationen.“

Communities für Afrikaner

Das negative Afrikanerbild zu ändern, haben sich die afrikanischen Communities vorgenommen. Das Online-Portal Afrikanet.info informiert über das Leben von Afrikanern in der Diaspora. Nicht selten wird offen über Rassismus berichtet, wenn etwa in Wohnungsinseraten explizit darauf hingewiesen wird, dass nur an „Inländer“ vermietet wird. Radio Afrika TV sieht sich als Beitrag zur kulturellen Vielfalt und soll auch Sprachrohr für die Afrikaner selbst sein.

Eine Drehscheibe für die Anliegen schwarzer Frauen und Kinder stellt die Organisation Schwarze Frauen community dar, ein anderes NGO-Projekt, Afra8, setzt sich für die europaweite Vernetzung schwarzer Frauen ein.

Eine Aktion, die 2007 ins Leben gerufen wurde, ermöglicht es weißen Menschen, sich die Vorurteile über Schwarze „anzuziehen“: Die Aktion „Leiberltausch“ vermittelt T-Shirts mit den Aufschriften „Drogendealer“ oder „Sozialschmarotzer“ und weiterer gängiger Vorurteile gegenüber schwarzen Menschen. Wie es aber bei blackaustria schon heißt, Weiße können sich die Vorurteile wieder ausziehen, Schwarze eben nicht. (DUYGU ÖZKAN)

www.radioafrika.net

www.blackaustria.at

www.afrikanet.info

www.blackwomencenter.org

www.ngo-exit.com

www.schwarzefrauen.net

www.vkm-wien.at

“Die Presse”, Print-Ausgabe, 21.01.2009


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