Salzburger Heimatvereine laden Migrantenvereine zum Stammtisch

Dirndl aus Österreich - Symbolbild
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03.07.2012 | 18:30 | Ania Haar

Kulturen. Der Erhalt der eigenen Volkskultur ist eine Hauptaufgabe der Salzburger Heimatvereine. Darüber hinaus setzen sie sich aber auch für Integration ein. Gemeinsame Stammtische mit Vereinen verschiedener Migrantengruppen sollen den Austausch fördern.

Wien. Migranten sind nicht die erste Assoziation, wenn es um das Thema österreichische Volkskultur geht. Der Landesverband Salzburger Heimatvereine etwa widmet sich vor allem der Pflege und Erhaltung alter Traditionen. Doch mittlerweile versucht man, sich auch dem Thema Integration anzunähern und hat dazu ein einzigartiges Projekt gestartet. „Es ist unser Integrationsprojekt: Es geht ums Vernetzen, Kennenlernen und Respektieren“, sagt Erwin Eder, Ehrenobmann des Landesverbands Salzburger Heimatvereine – und nach eigenen Angaben „zuständig für Multikulti“.

Traditionelle Musik und Tänze

Am Montag lud der Landesverband zum ersten Mal zum offiziellen Treffen „Kulturen an einem Stammtisch“ in den Salzburger Stieglkeller ein. Der bosnische Verein KUD Safir aus Salzburg und der serbische Kulturverein Stevan Sindjelic stellten sich dabei vor. In einer kurzen Runde wurden die Trachten, die traditionelle Musik und die Tänze der beiden Vereine gezeigt. Danach gab es Gelegenheit, sich in geselliger Atmosphäre auszutauschen.

„Auf niederschwelliger Basis lernt man sich besser kennen“, sagt Waltraud Ebner, Obfrau des Landesverbands Salzburger Heimatvereine. „Und wenn ich meine eigene Kultur gut kenne, kann ich die andere besser wertschätzen.“ Zwar gibt es unter den Mitgliedern in den Trachten- und Heimatvereinen auch vereinzelt Migranten, die zum Teil sogar Tracht tragen. „Nur meistens ist man in den traditionellen Vereinen eher unter sich“, gibt Ehrenobmann Eder zu. „Deshalb dachten wir, es muss doch möglich sein, miteinander auch im kulturellen Bereich ins Gespräch zu kommen.“ Um die Sprache gehe es dabei nicht, schließlich können die Mitgleider all der Migrantenvereine ohnehin Deutsch.

14 Nationen eingeladen

Allein in Salzburg gibt es rund vierzig migrantische Vereine, von Mongolen über Philippinen, slawische Länder und Südamerikaner. „Bei unserem letzen Stammtisch habe ich 14 Nationen gezählt“, sagt Eder und fügt hinzu, „unser Projekt ist einzigartig in Österreich.“ Obfrau Ebner ist sich sicher, dass über die Kultur Menschen besser zu erreichen seien – „auch unsere eigenen“. Denn: Im Urlaub sei man an anderen Kulturen interessiert, daheim allerdings weniger. „Das Bewusstsein dafür fehlt.“

Bei Treffen mit Migrantenvereinen könne man durchaus voneinander lernen und sich austauschen. Für Ebner persönlich sei dabei ein wichtiger Teil der Integration, dass man die Namen der Menschen kenne.

Zwar gebe es in Salzburg bereits einige große Kulturfeste, bei denen sich die migrantischen Vereine vorstellen – doch bei diesen Festen sei jeder auf seinen Auftritt und das, was auf der Bühne passiert, konzentriert. Da bleibe keine Zeit dafür, mit anderen in Kontakt zu treten. Und danach würden alle nur am eigenen Tisch sitzen. „Wir haben festgestellt, dass der Austausch nicht stattgefunden hat“, sagt Ebner. Doch genau der sei jetzt gefragt.

Wie aber reagieren die einheimischen Vereine auf die anderen Kulturen? „Sehr gut“, meint Ebner. Besonders deutlich sehe man das bei den Frauen – da werde viel über die Trachten gesprochen, die Materialien würden genau durchleuchtet, man tausche sich aus über den Stoff, den Schnitt, wie man eine bestimmte Tracht anzieht und welchen Schmuck man dazu trägt.

Für die Mitglieder des bosnischen Vereins sei es wiederum besonders wichtig, dass ihre Kinder Wiener Walzer und Polka tanzen können – aber natürlich auch die eigenen Tänze, damit sie, wenn sie zu einer bosnischen Hochzeit fahren, auch richtig mittanzen können. Vor allem aber gehe es um das Menschliche, meint Ehrenobmann Eder.

Eröffnung des Bauernherbsts

Der Stammtisch erfreue sich bereits eines regen Zulaufs. Doch die Salzburger Heimatvereine wollen noch viel mehr Menschen und Vereine ansprechen. Weitere Projekte sind geplant. So wurden die migrantischen Vereine eingeladen, bei der Eröffnung des Salzburger Bauernherbsts am 26.August in ihren nationalen Trachten mitzumarschieren.


ein Kommentar

  • Junsen

    Interessante Geschichte Geschrieben um 17. Oktober 2013 um 21:56 Antworten

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