Schwarzbuch Menschenrechte – Worüber Österreich schweigt

Schwarzbuch Menschenrechte Cover - © Residenz Verlag
BUCH:
  • Irene Brickner
  • Schwarzbuch Menschenrechte
  • Worüber Österreich schweigt
  • 224 Seiten
  • Format 140x220 Hardcover
  • EUR 21,90 / sFr 31,90
  • http://www.residenzverlag.at

27.03.2012 | 14:54 | Ania Haar

Vergangene Woche präsentierte die vielfach ausgezeichnete „Standard“ Journalistin Irene Brickner, ihr neues Buch: Schwarzbuch Menschenrechte – Worüber Österreich schweigt.

Wien. Das Buch schmerzt, wenn man bedenkt, dass Menschenrechte nicht für alle gelten, sondern erst erkämpft werden müssen, um geltend gemacht zu werden. Das Buch tut richtig weh, wenn man bedenkt, wie viel Unrecht passiert.

Und das Buch tut vor allem deshalb so sehr weh, weil es die Realität abbildet, gegen die man oft leider machtlos ist. Oft, aber nicht immer. Dazu später. Was ist wenn ein Beamter das geltende Asyl- oder Fremdenrecht falsch auslegt? Ob er das bewusst oder unbewusst macht, ist nicht immer eindeutig. Eindeutig sind aber die Konsequenzen. Eine falsche Überlegung oder Entscheidung und ein Menschenleben ist in Gefahr. Wie das bei Ousmane Camara (24) der Fall war.

Es ist der 15. Dezember 2010, Wien Schwechat, Flugzeugstiege: „Helfen Sie mir“, ruft Camara auf Französisch, „Man will mich in ein Land bringen, in dem mir Ermordung droht“! Er krallt sich an der Flugzeugstiefe fest. Sehr fest, so fest wie er nur kann. Ein Gezerre. Er wehrt sich, leistet Widerstand, schreit. Diese Schreie hört der Pilot dieser Maschine, steigt aus der Kabine um nachzusehen was mit dem Passagier los ist. Camara soll via Brüssel ins westafrikanische Guinea, sein Heimatland, abgeschoben werden. Dort droht ihm, wie er sagt, eine mögliche Todesstrafe.

Der Pilot weigert sich den jungen Guineer mit aufs Bord zu nehmen. Er glaubt Camara, dass ihm Gefahr droht. Und dieser Glaube rettet dem jungen Mann genau in diesem Moment wahrscheinlich das Leben. Das Absurde dabei: zu diesem Zeitpunkt war Camara de facto schon ein freier Mensch. Denn es lag eine einstweilige Anordnung gegen seine Abschiebung in Straßburg vor.

Was ist geschehen? Wir drehen die Zeit um vier Monate zurück, Polizeihaltezentrum am Wiener Hernalser Gürtel. Robert Zahrl, 22, ein junger Österreich tritt freiwillig seine Haftstrafe an. Er sitzt lieber ein Verkehrsdelikt (300 Euro) ab, statt zu zahlen. Es sind 126 Stunden. In diesen Stunden lernen sich die beiden Männer kennen. Ein Treffe, das ihre Leben verändert. Und wieder geht es darum, dass jemanden Camara Glauben schenkt. Zahrl glaubt an die Geschichte des jungen Guineers und verspricht zu helfen, sobald er entlassen wird.

Wie viele Zahrl´s gibt es? Viele.

Es sind oft Menschen – deren Namen nicht in den Zeitungen stehen  – die  im Untergrund! (wir schreiben das Jahr 2012, Wie) verfolgten und misshandelten Menschen helfen. Obwohl sie gegen das Paragraf 115 des Fremdengesetzes verstoßen und sich dabei selbst strafbar machen – bis zu sechs Monate Haft wegen Beihilfe zu unbefugtem Aufenthalt. Zahrl hätte sich nicht strafbar machen müssen, aber er hat alles gemacht, um zu helfen. Und dabei ein Menschenleben gerettet.

Im Falle Camara schreibt Brickner: „Camaras Rettung  vor einer unter Umständen fatalen Abschiebung ist ein Lehrstück für die Löchrigkeit der Menschenrecht für „Fremde“ in Europa.

Ein trauriger Fall. Und deshalb ist diese Buch wichtig, weil es Hoffnung macht, dass es noch Menschen gibt, die an die Menschenrechte glauben. Ein wichtiges Buch, das gelesen werden sollte, auch wenn das Lesen nicht einfach ist.



ein Kommentar

  • Benny

    Kann man ein Inhaltsverzeichnis posten? Das wäre nett! Geschrieben um 27. März 2012 um 15:28 Antworten

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