Biko Botowamungo: Vom Profi-Boxer zum Prediger

Biko Botowamungu (1988) - aus Video.
ZUR PERSON:
  • Biko Botowamungo wurde am 22. Jänner 1957 in Kisangari, Kongo geboren. 1978 kam er nach Österreich, wo er zum einen als Security-Guard bei der UNO arbeitete, zum anderen acht Mal österreichischer und sieben Mal Europameister im Boxen wurde. 1988 startete er für Österreich bei den Olympischen Spielen in Seoul, scheiterte aber gleich zu Beginn. Heute ist er Baptisten-Prediger in mehreren Wiener Gemeinden.

29.07.2008 | 11:55 | Ewa Dziedzic

Biko Botowamungo, geboren 1957 im Kongo, war mehrfacher österreichischer Staatsmeister im Boxen, trat 1988 für Österreich bei den Olympischen Spielen an und lebt heute als Baptistenprediger in Wien.

Man sieht ihm an, dass er mehr als nur ein Hobbysportler war. Biko Botowamungo, der 1988 für Österreich bei den Olympischen Spielen in Seoul boxte, wirkt immer noch wuchtig. „Ich trainiere in der Freizeit nach wie vor,“ erzählt der 51-Jährige, „wenn du das dein ganzes Leben lang gemacht hast, bist du es alleine deiner Gesundheit schuldig“.

1957 im Kongo geboren, entdeckte Botowamungo 1974 beim legendären „Rumble In The Jungle“ zwischen Muhammad Ali und George Foreman seine Liebe zum Boxen. Eine Liebe, die ihn von seiner Heimat weglockte, unter anderem verschlug es ihn nach New York, Martinsville im US-Bundesstaat Virginia oder Berlin. 1978 kam er das erste Mal nach Wien. Und blieb auch gleich einmal hier, wegen seiner Frau, die aus Österreich stammt. 16 Jahre lang arbeitete er als Security Guard für die Vereinten Nationen, bewachte mehrere Generationen von Generalsekretären.

Daneben war er im Boxring erfolgreich: Nachdem er achtfacher Österreichischer Meister und siebenmal Europameister der Amateure geworden war, sollte Botowamungo 1988 für Österreich Gold bei den Olympischen Spielen in Seoul holen. Die Erwartungen waren hoch, die Enttäuschung groß, als er schon beim ersten Kampf gegen Riddick Bowe unterlag: „Leute wie Arnold Schwarzenegger schauten zu, die Presse hatte mich bereits als Sieger geehrt. Der Druck war zu groß“, meint er. „One Moment in Time“ von Whitney Houston, eines der offiziellen Lieder der Olympiade, galt damals nicht für ihn.

Seinen Karrierehöhepunkt hatte Biko Botowamungo erst einige Jahre später: „Die beste Zeit hatte ich in Amerika. Von 1992 bis 1996 erreichte ich dort die beste Form, bevor ich wieder nach Österreich zurückkam“, erzählt er. Was dort besser war? „Österreich ist kein Boxland“, meint er, „du hast kein Privatfernsehen, das davon profitieren würde, die jungen Leute haben keinen Platz zum Trainieren und werden nicht motiviert oder promotet.“ Zudem bringe man Boxen hierzulande immer wieder mit gängigen Klischees in Verbindung: „Die Menschen sehen Boxen nicht als harten Sport, der dir viel abverlangt, sondern bringen es mit Brutalität und Hirnlosigkeit in Verbindung.“

Dabei habe Boxen gar nichts mit Aggression zu tun, das sei doch nur ein Vorurteil. Sehr viele Gegner waren oder sind Freunde, mit denen er nach dem Kampf essen ging. Und seine Gegner waren unter anderem Boxgrößen wie Wladimir Klitschko, Chris Byrd, Corey Sanders, Lamon Brewster oder Luan Krasniqi. „Es ist hartes Training und wenn jemand für nur eine Minute in den Ring steigt, merkt er wovon ich spreche.“ Obwohl, es war nicht immer alles eitel Wonne: „Ich hatte auch schon Pfefferspray in den Augen oder wurde mit einer Pistole bedroht“, erinnert er sich an einen Gegner von damals, der ihm seine Siege nicht gönnte. „Den Gegner“, meint er, „musst du aber lieben.“

Ein Satz, den man noch besser versteht, wenn man Botowamungos heutige Profession betrachtet: Denn mittlerweile hat er die Boxhandschuhe gegen eine Predigerrobe eingetauscht: „Wenn du keinen Glauben hast, dann ist mal dein Leben zu Ende und du weißt nur, dass du funktioniert hast.“ Der Ex-Boxer kann sich noch gut an die erste Begegnung mit Gott erinnern. Noch heute schwört er, dass er ihm erschienen ist, irgendwo in Virginia. Und, das erkannte er erst später, sein Name bedeute „der von Gott gesandte Mann“.

 

Comeback im Ring?

In der Wiener Baptistengemeinde ist er als Prediger sehr aktiv. Eine Aufgabe, die ihn erfüllt. „Du kannst Limousinen und Jets haben, aber wenn du keine Stärke hast, die von innen kommt, ist das alles sinnlos, weil vergänglich.“ Sein Interesse am Sport hat er dennoch nicht verloren.

Neben dem Glauben und Boxen hatte Biko Botowamungo, wie heute noch, auch jede Menge andere Beschäftigungen. So hatte er etwa einen Auftritt im Musikvideo „The Boxer“ von der österreichischen Band „Rockip“. Neben dieser Art von Musik kann sich Botowamungo auch für Marschmusik begeistern: „Die Art der Musik lässt mich an einzelne Situationen, Kämpfe erinnern, die ich sehr positiv in Erinnerung behalten habe.“ Positiv in Erinnerung hat er auch die Krimi-Serie „Tatort“, in der er 1990 einen Auftritt hatte – als Boxer, natürlich.

Nach der langen Sportkarriere, unter anderem als Römisch-Griechischer- und als Freistil-Ringer, als Olympischer Boxer, als Profi-Schwergewichtsboxer und Sparringspartner (unter anderem gegen Mike Tyson), bestritt Biko Botowamungo 2004 im Alter von 47 Jahren seinen letzten Kampf gegen den Italiener Grezi Line. Ob er jemals wieder in den Ring steigt? „Manchmal denke ich, dass ich es den Fans schuldig bin“, meint er. Aber hätte er überhaupt noch eine Chance? „Heute habe ich das Gefühl, dass ich auch ohne Training soviel innere Stärke habe“, meint er, „dass es ein unglaublicher Kampf werden würde.“


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