Irlands Jugend: „Die Regierung soll uns zuhören“

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HINTERGRUND
  • Dieser Artikel ist im Rahmen von „Eurotours 2012“ entstanden. Eurotours ist ein Projekt der Europapartnerschaft. Finanziert wird es aus Gemeinschaftsmitteln der Europäischen Union.

29.12.2012 | 15:39 | Clara Akinyosoye

Mit dem Projekt „Being Young and Irish“ hat Präsident Michael D. Higgins jungen Iren die Chance gegeben, ihre Visionen für Irland zu entwerfen.  Die Ergebnisse des Abschlussberichts – so hofft man – sollen von der Regierung ernstgenommen werden.

Dublin. „Was ist deine Vision für Irland? Was muss passieren, damit diese Vision umgesetzt werden kann? Was können du und andere junge Menschen tun um diese Vision umzusetzen?“ Diese Fragen haben sich 775 Menschen zwischen 17 und 26 Jahren im Auftrag des irischen Präsidenten Michael D. Higgins gestellt und beantwortet. Higgins hat im Frühjahr 2012 das Projekt „Being Young and Irish“ initiiert, dessen Ziel es ist „die Jugend Irlands in die nationalen Diskurse über die Zukunft des Landes miteinzubeziehen“, sagt Sarah Martin vom Präsidentenbüro.

Junge Politikinteressierte konnten von Mai bis September ihre Visionen für Irland – etwa in Form von Textbeiträgen, Gedichten, Musik- und Videobeiträgen, online oder per Post –  an das Team von „Young and Irish“ richten. Zusätzlich fanden vier regionale Workshops in Dublin, Monaghan, Cork und Galway statt, bei denen die Herausforderungen Irlands und Problemlösungen diskutiert wurden.

Niemand ausgeschlossen

Irland gehört zu den EU-Staaten mit der höchsten Jugendarbeitslosenrate. Ein beachtlicher Anteil junger Menschen wandert aus. Doch die Jungen könnten gerade zur Lösung vieler Probleme beitragen, ist Higgins überzeugt. Um die gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen vor denen Irland steht, meistern zu können, müsse die Regierung in Dialog mit jungen Menschen treten.

Fast 800 Menschen haben in irgendeiner Art an dem Projekt teilgenommen, sei es durch Onlinebeiträge oder durch die Teilnahme an einem der Seminare, sagt Martin. Das Projekt zeichnet sich durch seine Inklusivität ausgezeichnet. Die Teilnahmeinformationen auf der Website des Präsidenten waren den Bedürfnissen verschiedener Gruppen angepasst. So findet sich dort etwa eine „easy to read-Broschüre“ mit stark reduziertem Text und vielen Bildern, sowie ein Video, in dem das Projekt in Zeichensprache erklärt wird.

Es sei dem Präsidenten besonders wichtig gewesen, alle „interessierten Jugendliche in Irland, die das Land mitgestalten wollen“, einzubinden,  sagt Martin. Mit ein Grund, warum die irische Staatsbürgerschaft keine Voraussetzung war, wie man beim Projektnamen „Being Young and Irish“ fälschlicherweise vermuten könnte.

Solidarität statt Korruption

Gleichberechtigung, Bildung, Arbeit und Wirtschaft sind die Themen, die den meisten Teilnehmern am wichtigsten waren. Solidarität innerhalb der Gesellschaft sei ebenso die Basis für das Weiterkommen Irlands, wie der Kampf gegen Alkoholismus, Diskriminierung und Korruption. Die jungen Iren sprachen sich außerdem für verstärkte politische Bildung und ein reformiertes Bildungswesen ein, dass Jugendliche nicht für Prüfungen sondern für das Leben ausbilde. Durch die Schaffung eines Forums, in dem die „Stimmen von jungen Menschen gehört und diskutiert“ werden können, würde die irische Jugend und das ganze Land profitieren. „Die Regierung muss endlich bereit sein, uns zuzuhören“, meint ein Workshop-Teilnehmer.

Regierung soll reagieren

Das rege Interesse an dem Projekt zeige, dass junge Iren der Politik nicht grundsätzlich Desinteresse entgegenbringen, erzählt Martin. „Einige junge Leute beschäftigen sich sehr viel mit Politik.“ Doch hätten wiederum viele das Gefühl die Politik würde kein Interesse daran haben sich mit jungen Menschen auseinanderzusetzen und sie in politische Entscheidungsfindungsprozesse einzubinden. Jetzt ist die Regierung am Zug. Das „Being Young and Irish“ Projekt könnte den Regierenden eine Idee vermitteln, wie sie die Sichtweisen junger Menschen stärker in die politische Arbeit einbringen könnten.

Ob sie die Vorschläge der jungen Generation tatsächlich ernst nehmen, können die Politiker jetzt unter Beweis stellen. Denn der Abschlussbericht und die Erklärung sind nun an die Regierung übergeben worden, heißt es aus dem Präsidentenbüro. „Es ist zu hoffen, dass die irische Regierung den Stimmen der jungen Menschen zuhört und dementsprechend auf einige ihrer Empfehlungen und Anregungen für die Zukunft Irlands reagiert.“


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