Wiener Akademie der bildenden Künste trauert um Amadou Sow

Amadou Sow
AMADOU SOW
  • Geburt: 17. November 1951 in Saint-Louis, Senegal
BILDUNG & ARBEITEN
  • Senegal: Institut national des Beaux-Arts du Sénégal
  • Österreich: Akademie der bildenden Künste
  • Seit 1972 ansässig in Wien
  • 40 Jahre im Dienste der Kunst
TOD
  • 30. November 2015 in Dakar, Senegal

14.12.2015 | 10:15 | REDAKTION

Die senegalesische Kunstwelt trauert um eine ihrer zentralen Figuren. Und mit ihr viele Freunde in Europa, besonders in Wien, wo der Maler und Grafiker Amadou Sow seit den 1970er-Jahren hauptsächlich ansässig war. Sow kam erstmals 1974 nach Wien, als Teilnehmer an der Ausstellung Senegalesische Kunst Heute, die zunächst im Grand Palais in Paris gezeigt wurde, ehe sie auf Grundlage der im Kontext der Sozialistischen Internationale entstandenen Freundschaft zwischen Bruno Kreisky und dem Präsidenten des Senegal, Léopold Sédar Senghor, an der Akademie der bildenden Künste zu sehen war. Das Bild La Querelle (Der Streit) des 22-jährigen Amadou Sow war dafür als Plakatsujet ausgewählt worden, auch wenn er hier mit den etablierten Vertretern der École de Dakar ausstellte, die von Senghor im Rahmen seiner Kulturpolitik der Négritude nach der Unabhängigkeit des Senegal gefördert wurde.

Nachdem der 1951 in Saint-Louis geborene Amadou Sow an der École des Beaux-Arts in Dakar ausgebildet wurde, konnte er mit einem Stipendium an der Wiener Akademie bei Maximilian Melcher studieren und 1979 sein Diplom erlangen. Seit den 1970er-Jahren wurden Amadou Sows Arbeiten, die westafrikanische Motive und Symboliken mit modernistischen Gestaltungsprinzipien verbanden, in vielen afrikanischen, europäischen und amerikanischen Städten ausgestellt. Anfang der 1990er-Jahre kreierte Sow das heute noch gültige Logo der Dak’ Art Biennale für afrikanische Kunst, an der er selbst mehrmals teilgenommen hat, nicht nur mit dem Ausstellen eigener Arbeiten, sondern immer wieder auch in Form besonderer Projekte wie etwa den Bottle Boys, einer kollektiven künstlerisch-kritischen Auseinandersetzung mit ökologischen Problemen in seiner senegalesischen Heimat.

Amadou Sows Wiener Atelier im 3. Bezirk war neben seiner Funktion als Arbeitsraum und Archiv afrikanischer Kunst und Musik über viele Jahre auch wichtiger Treffpunkt für jüngere senegalesische Künstler wie Cheikh Niass und Mara Niang, die ebenfalls an der Bildenden studierten und von ihm unterstützt wurden, nicht nur in künstlerischen Angelegenheiten, sondern auch was das Leben in einem nicht immer einfachen Land wie Österreich betrifft.

In den letzten Jahren hat sich Amadou Sow am Lac Rose, 40 Kilometer außerhalb von Dakar, ein großes Atelier eingerichtet, um abseits des städtischen Lebens immer wieder Inspiration aus der Natur und den Sternen zu beziehen, aber auch Gäste zu empfangen, unter anderem Studierende und Lehrende der Akademie der bildenden Künste. In diesem Atelier ist Amadou Sow am 30. November überraschend gestorben. Zwei Wochen vor seinem 64. Geburtstag und vier Wochen nachdem die österreichische Botschaft in Dakar den Nationalfeiertag mit einer Ausstellung seiner Arbeiten gefeiert hatte. Alle, die Amadou kannten, werden ihn als charismatische, engagierte, liebenswürdige und witzige Persönlichkeit in Erinnerung behalten, die mehr als jede andere zur Herausbildung einer kulturellen Achse zwischen Wien und Dakar beigetragen hat.

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Quelle: AK bildende Kunst 


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