ORF-Dating Sendung zwingt Migrantinnen in sexuelle Rollen

Single mit Kind - ©Homepage

12.04.2011 | 8:31 | Kerstin Kellermann

„Cultur Clash“ zwischen „Körpern“ und „Feingeistern“: Die TV-Dating Soap-Propaganda „Single mit Kind sucht“ zwingt Migrantinnen in sexualisierte Rollen.

Zwei Frauen kämpfen um einen Mann, Konkurrenz belebt „das Geschäft“. Doch der Filmtrailer für die kommende Folge der ORF-Serie „Single mit Kind sucht“ läßt Übles befürchten: Die hübsche Migrantin läßt Finger schnipsend ihren Busen vor dem Gesicht des Protagonisten herum tanzen, den sie von sich und ihren Reizen begeistern soll. Der Protagonist: „Es war für mich unangenehm.“

Während die Österreicherin Sandra ihre Effizienz und Leistungsfähigkeit allein in der Küche zu beweisen braucht, indem sie zB ein Frühstück für ihren Herren in spe zaubert, muss Migrantin Virginia auf Deutsch mit Akzent sexuelle Provokationen liefern.

Besonders perfide ist dabei, dass im Reality-TV Spontanität und eigene Ideenfindung vorgegaukelt werden, während in Wirklichkeit Drehbücher den Szenen den Pfiff verleihen.

„Zufällig“ findet Virginia einen Massage-Tisch in der Wohnung des Glasermeisters Daniel, „überrascht“ den zu erobernden männlichen Siegespreis mit einer Massage, die der Protagonist hocherfreut über sich ergehen läßt. Mit schwerwiegenden Folgen für den Konkurrenzkampf unter den Frauen: Österreicherin Sandra geht ob dieser mafiösen Liebes-Tricks und dem Konkurrenz-Kampf „unter der Gürtellinie“ wortgewaltig in die Luft und zieht sich dann „Österreicher-like“ schmollend mit Brille und Buch ins Bett zurück. Wenigstens fallen keine ausländerfeindlichen Bemerkungen…

Es ist beinahe so wie im wirklichen Leben: Migrantinnen müssen sich mit „Haut und Haar“, mit ihrer ganzen Persönlichkeit in den Konkurrenzkampf einbringen, allein bloße Leistung zu erbringen reicht nicht aus. KollegInnen sind sicher nicht erfreut über diese „Fleißaufgaben“. Virginia, die den Körper des Protagonisten „lecker“ findet, aber nicht wirklich an seinem Charakter oder an seinem Sohn interessiert ist („so schmutzig hier im Kinderzimmer“), erhält bei den Zusehern bestimmt nicht viel Sympathiepunkte. Diese böse, migrantische Hexe durchsucht die Wohnung des Protagonisten, erwartet sich Service von ihm und kommentiert seine zerschlissenen Hemden mit dem Satz „Er braucht wirklich eine Frau!“. Liebe bedeutet also Leistung und Funktionalisierung – so oder so.

Im Neoliberalismus gibt es vielfältige Bilder von Frauen in den Medien. Individualismus und Leistungsdenken sind gefragt – aber diese angeblich so „autonomen weiblichen Subjekte“ paßen gut in unser Wirtschaftssystem hinein. Im Reality-TV wird beinhart vorgeführt, wie „Subjektformen“ produziert werden. Gerade Reality-TV und die neuen Medien beweisen es: Das Medien-Zeitalter ist die Zeit des sozialen Vergleichs. Viele motivieren sich, indem sie sich ständig mit anderen vergleichen, Antrieb für eigenes Handeln wird aus der sozialen Konkurrenz geholt.

Halten wir fest, was wir lernen sollen: Von Migrantinnen wird erwartet, dass sie sich mit ganzem Körper einsetzen (müssen). Dass sie diese Erwartungshaltung zum Teil schon internalisiert haben, da sie bevorzugt in bestimmten Jobs, die eher Körper und Charme als den Geist fordern, arbeiten dürfen, macht diese Dating-Soap auch nicht zu einer besseren ORF-Propaganda-Reality-Schau.

Kerstin Kellermann

 


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