Sepp Forcher: „Begriff Heimat wird von Politik missbraucht“

Sepp Forcher - © simon INOU
Sepp Forcher
  • 17. Dezember 1930: Geburt in Rom (Italien)
  • 1976: Karrierebeginn im Österreichischen Rundfunk
  • 1986: Moderator der TV Sendung Klingendes Österreich

27.05.2009 | 17:09 | simon INOU und Nasila Berangy

Sepp Forcher, Moderator der ORF-Volksmusiksendung „Klingendes Österreich“, über Heimat und Politik.

 

Die Presse: Was verbinden Sie mit dem Begriff Heimat?

Sepp Forcher: Für mich ist Heimat im weitesten Sinn Österreich. Politische Grenzen kommen und gehen. Der Begriff Heimat wird aber von manchen Politikern missbraucht. Ich bin dagegen, dass man mit diesem Begriff spekuliert. Für mich ist Heimat ein natürliches Naheverhältnis zu dem Land, in dem ich daheim bin. Versuche des politischen Missbrauchs hat es immer wieder gegeben.

Also hat Heimat nichts mit dem Geburtsort zu tun?

Forcher: Aus meiner Sicht überhaupt nichts.

Was sagen Sie zu den Vorfällen in Ebensee, wo Jugendliche bei einer KZ-Gedenkfeier provozierten und randalierten?

Forcher: Was zu tun ist, ist nicht Sache der Justiz, sondern Sache der Forschung. Denn: Woher kommt das? Warum sind diese Jungen unzurechnungsfähig? Wenn die ein anderes Verbrechen begangen hätten, fielen sie bestenfalls unter das Jugendstrafgesetz. Da wird aber auf einmal um diese Rotzlöffel eine große Staatsaffäre gemacht, ohne dass man darüber nachdenkt, wie ist das Elternhaus, wie ist ihr Umfeld, wo kommt das her? Und die gehören dann vor Gericht.

SP-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas sieht die Schuld bei FP-Chef Heinz-Christian Strache. Sehen Sie das auch so?

Forcher: Das ist plakativ. So leicht kann man es sich nicht machen. Bei so jungen Menschen muss man bedenken: Die plappern alles nur nach. Aber man darf so ein Symptom nicht unterschätzen.

Zurück zur FPÖ: Hat nicht gerade die fehlende Führungskraft der Großparteien zum Wachsen der FPÖ geführt?

Forcher: Kreisky hat versucht, sich die Freiheitlichen an die Brust zu nehmen, und es ist ihm verhältnismäßig gut gelungen. Sie wurden damals marginalisiert. Die nächsten Regierungen wie Vranitzky mit der strikten Ablehnung – ich weiß nicht, ob das so gut gewesen ist. Haider war ein politisches Genie. Das wusste man, hat es aber nicht immer gesagt.

Nach seinem Tod hat man das aber von vielen Seiten gehört.

Forcher: Na ja, jetzt warten wir auf die Heiligsprechung. Das trifft auch nicht die Wahrheit im Kern. Es war natürlich schon so, dass er zum Fürchten war.

Hat Strache auch diese Qualitäten?

Forcher: Zu Strache fällt mir nichts ein, frei nach Karl Kraus. Er hat aber sehr viele Anhänger unter den Jugendlichen. Das darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Es ist ja schade um unser Land.

(simon INOU und Nasila Berangy, “Die Presse”, Print-Ausgabe, 27.05.2009)


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