Newroz – Ein blutiger Frühlingsbeginn

Newroz 2010 © sontilki (flickr)

22.03.2012 | 15:43 | Hülya Tektas

Gestern wurde das kurdische Neujahrsfest gefeiert. Wie schon beim ersten Mal 1992 war es auch dieses Jahr kein Fest ohne gewaltsame Zwischenfälle. Eine Rückschau. 

Am 21. März 1992 feierte eine breite Masse von Kurden zum ersten Mal offiziell das traditionelle kurdische Neujahrsfest, Newroz. Einer der Gründe, warum vorwiegend Frauen, Kinder und Jugendliche dies feiern wollten, war das Wahlversprechen des damaligen türkischen Ministerpräsidenten Süleyman Demirel, die „kurdische Realität anzuerkennen“. Bis dato war in der Türkei alles, was mit Kurden zu tun hatte, verboten. Nun wollten nicht nur vereinzelte „Terroristen“, wie die türkischen Nationalisten die kurdischen Freiheitskämpfer nennen, sondern ganz normale Kurden Newroz zum Symbol für ihren Wunsch nach mehr Rechten machen.

Die Bilanz: Dieser Festtag endete in einem Blutbad. Fotos von Panzern in den kurdischen Städten erinnerten eher an einen Kriegsschauplatz. Bei Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Kurden wurden alleine in Cizre, einer Kleinstadt im Südosten der Türkei, 57 Zivilisten, darunter zwölf, Kinder getötet und Hunderte von Menschen festgenommen. Das war der Beginn einer neuen Ära des Volksaufstandes.

In den letzten 20 Jahren hat sich die türkische Politik in Bezug auf die Kurdenproblematik mehrmals neu positioniert. Nach der Phase der totalen Ablehnung der Rechte und Verboten der kurdischen Sprache und Kultur, sorgte die Öffnungspolitik der jetzigen Regierungspartei AKP unter Kurden nur kurze Zeit für Hoffnung. Die Repressionspolitik hält noch an. Seit 2009 gibt es eine Verhaftungswelle unter oppositionellen kurdischen Politikern und BDP (Prokurdische Partei im türkischen Parlament)-Funktionären. Unter den Verhafteten finden sich auch türkische Intellektuelle, wie etwa der renommierte Menschenrechtsaktivist und Verleger Ragip Zarakolu und Universitätsprofessorin Büsra Ersanli, denen die Unterstützung von Terrororganisationen vorgeworfen wird.

Rund 20 Jahre nach dem blutigen Newroz kam es dieses Jahr erneut zu heftigen Zusammenstößen zwischen Polizisten und Kurden und wieder einmal blieb die Hoffnung auf eine Lösung der „Kurdenfrage“ auf der Strecke.


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