Kurzmeldungen: Gedenken an NS-Opfer, Sozialpolitik, Familienpolitik, Studiengebühren, Psychologie vs. Terror-Angst

Foto: Interkulturelles Zentrum: Handbuch für interkulturelle Gemeinden: http://www.uni-klu.ac.at/frieden/downloads/iz_handbuchfuergemeinden.pdf

01.08.2016 | 13:40 | Konstantin Auer

Dikh He Na Bister! – Schau und vergiss nicht!

Wien, 1. August 2016 – Am Dienstag, den 2. August 2016, wird am Wiener Ceija Stojka-Platz ab 18 Uhr der halben Million Menschen gedacht, die vom Nazi-Regime als “Zigeuner” verfolgt und ermordet wurden. Denn in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 2.897 Roma vergast. Die Nationalsozialisten ermordeten 90 Prozent der vor 1938 in Österreich lebenden Roma und Sinti. Von der Öffentlichkeit und der Politik wurde der Genozid lange verschwiegen. Erst im Jahr 2015, 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde der Völkermord an Roma und Sinti vom Europäischen Parlament anerkannt. In der Resolution vom April 2015 wird dazu aufgerufen, der Diskriminierung von Roma ein Ende zu setzen. Der Kampf gegen den aktuellen Antiziganismus wird dabei in Bezug zur historischen Verfolgung und Ermordung unter dem NS-Regime gesetzt. Das Europäische Parlament fordert dazu auf, den 2. August als internationalen Tag des Gedenkens an den Völkermord zu begehen. Romano Centro organisiert 2016 in Kooperation mit der Roma Genocide Remembrance Initiative und Zentrum Exil zum zweiten Mal eine Gedenkveranstaltung  in Österreich. Angehörige und Opfer werden zu Wort kommen. (M-MEDIA/OTS)

Mobilitätspass gefordert

St.Pölten, 1. August 2016 – Die Arbeiterkammer (AK) Niederösterreich fordert einen Mobilitätspass für Einkommensschwache (AlleinerzieherInnen, Teilzeitkräfte). Sie hat gemeinsam mit dem Niederösterreichischen Armutsnetzwerk ein eigenes Modell für den Pass entwickelt. Denn laut AK werde die Mobilität immer teurer, wie zuletzt durch die Reform beim Verkehrsverbund Ostregion (VOR). Der Präsident der AK Niederösterreich, Markus Wieser, betont: “Wer sich Mobilität nicht leisten kann, ob den täglichen Weg in die Arbeit oder zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, ist in seinen sozialen Möglichkeiten stark eingeschränkt”.  Anspruchsberechtigt für den Mobilitätspass wären NiederösterreicherInnen, deren Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle von 2013 (1.104 Euro, 12 mal im Jahr) liegt. Diese sollen billigere Tickets in Öffis bekommen. Die AK rechnet mit 14.100 Nutzern, die die 60-prozentige finanzielle Entlastung durch den Mobilitätspass in Anspruch nehmen würden. Finanziert soll dies durch die Kürzung der Pendlerhilfe von 2013 bis 2015 durch das Land werden. Durch die Kürzungen wurden, laut AK, 5,1 Millionen Euro weniger an Betroffene ausgezahlt. (M-MEDIA/OTS)

Familienministerin Karmasin: “Jedes Stereotyp ist ein falsches Stereotyp”

Wien, 30. Juli 2016 – Mit mehreren Maßnahmen will Familienministerin Sophie Karmasin gegen Stereotype in Österreich vorgehen. Eine aktuelle Umfrage von “mindtake” zeigt, dass Vorurteile in Österreich sehr weit verbreitet sind. So werden beispielsweise Väter in Karenz und berufstätige Väter, die ihre Kinder betreuen, weniger akzeptiert als Mütter. Eine weibliche Führungskraft mit Kind wird nur von 26 Prozent (von 1.000 befragten Personen) als “sehr” oder “eher akzeptiert” eingeschätzt. Homosexuelle Paare werden nur von 50 Prozent positiv gesehen, viele glauben, dass es diese Personen mit gesellschaftlicher Akzeptanz besonders schwer haben. Die Ministerin betont, dass sie mit der Reform des Kinderbetreuungsgeldes eine Familienzeit (für Väter nach der Geburt), einen Partnerschaftsbonus und einen höheren Väteranteil eingeführt hätte. Für die Bewusstseinsbildung gegen bestehende Geschlechter-Stereotypen in der Arbeitswelt startet jetzt eine Facebook-Kampagne. So sollen zum Beispiel die Begriffe „Hausmütterchen“, „Powerfrau“, „Weichei“ oder „Karrierefrau“ in „Hausväterchen“ oder „Powermann“ umgekehrt werden. (M-MEDIA/OTS)

HochschülerInnenschaft weiter gegen Studiengebühren

Wien, 29. Juli 2016 – Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) stellt sich, bei der neu aufgeflammten Debatte über die Wiedereinführung von flächendeckenden Studiengebühren, klar gegen diese. “Sollten sich die Regierungsparteien hier tatsächlich auf Verhandlungen einlassen, wird die ÖH nicht tatenlos zusehen”, betont Marie Fleischhacker vom Vorsitzteam der ÖH Bundesvertreung. Die ÖH begründet dies mit der Abhängigkeit der Bildung von der finanziellen Situation der Eltern. Bildung sei in Österreich ein exklusives Recht für einige wenige. Fehlende soziale Absicherung stelle eine große Barriere, auch schon vor dem Studium, dar. “Um ein Studium für alle zu ermöglichen, müssen endlich Sozialleistungen und Beihilfen ausgebaut werden und nicht noch weitere finanzielle Hürden wie Studiengebühren eingeführt werden”, so Fleischhacker. Die ÖH appelliert an Bundeskanzler Kern und die Bildungsministerin Hammerschmid, welche, laut ÖH, eine Verfechterin von Studiengebühren sei. (M-MEDIA/OTS)

Psychologie gegen Verunsicherung durch Amok und Terror

Wien, 28. Juli 2016 – Der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) hat eine kostenlose Helpline (Telefonnummer: 01/503 8000) eingerichtet, um Menschen zu helfen, die sich durch die aktuellen Meldungen von Amokläufen und Terroranschlägen verunsichert fühlen. Denn viele Menschen würden nach traumatischen  Erlebnissen eine akute Belastungsreaktion entwickeln. Dies ist, laut Sandara Lettner, der Präsidentin des BÖPs, “eine normale Reaktion auf eine unnormale Situation”. Wenn diese Situation aber über Monate aufrecht bleibt, dann könnte sich eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Lettner erklärt, dass davon nicht nur Menschen betroffen sein können, die bei dem Ereignis dabei gewesen sind. Eine sogenannte “sekundäre Traumatisierung” kann auch durch Erzählungen ausgelöst werden. Somit können auch Angehörige, PolizistInnen, Rettungskräfte und DolmetscherInnen betroffen sein. Außerdem könne es zum Wiedererleben von eigenen traumatisierenden Situationen kommen. Besonders von Traumatisierungen sind auch Flüchtlinge betroffen. Die Hälfte der Menschen, die aus Kriegsgebieten fliehen, sind traumatisiert. Laut BÖP müsse hier “psychologische Hilfe und klinisch-psychologische Behandlung angeboten werden, um Traumafolgestörungen wie Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen oder erhöhtes Aggressionsniveau zu verhindern oder zu mildern und dadurch Integration überhaupt erst zu ermöglichen”. Bei der Behandlung haben Sicherheit und Stabilität oberste Priorität, staatliche Institutionen sind gefordert Ruhe zu signalisieren. Auf individueller Ebene hilft es, das persönliche Kontrollerleben zu stärken. Ein Helfersystem aus FreundInnen, Familie, PsychologInnen kann auch helfen. Stellt sich nach mehreren Wochen keine Verbesserung der psychischen Situation ein, so ist eine Traumabehandlung bei einer/m Klinischen PsychologIn unbedingt notwendig. Über die Website http://www.psychnet.at des BÖP ist die schnelle Suche nach kompetenten PsychologInnen jederzeit möglich. (M-MEDIA/OTS)


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